Aufsatz 
Zur Beantwortung der Frage: Wer hat die Jungend zu erziehen?
Entstehung
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Schüler über mich zu erkundigen. Zugeſtehen aber würde ich ihm, daß ichDogmen, Lehrſätze, meinen Schülern geben will, z. B. das Dogma:Gott hat die Welt geſchaffen, und das andere: Nach dieſem Leben folgt ein anderes, in dem wir Rechenſchaft geben müſſen für unſer Leben auf der Erde. Ich würde ihn daran erinnern, daß übrigens von anderer Seite auchDogmen auf⸗ geſtellt und gelehrt werden, z. B. das Dogma:Die Welt iſt von Ewigkeit her, oder das andere: Es gibt keinen perſönlichen Gott. Ich würde ihm ſagen, daß dies nicht bloß Sätze ſeien, von denen es gleichgültig ſei, ob man ſie glaube oder nicht; ſondern daß, wer an Gott als Schöpfer glaubt, die Dinge der Welt ganz anders anſieht als wer da meint, die Welt ſei von Ewigkeit her und ſie ſei nicht von einem großen Geiſte hervorgebracht; und daß, wer da meint, mit dem Tode ſei für ihn Alles aus, wie die alten Epikuräer, nur ſuchen wird, äußerlich ehrbar zu leben, um das Leben ungeſtört genießen zu können; daß aber ein eigentliches Streben, beſſer zu werden, bei ihm nicht zu finden ſein werde. Und was denGlauben betrifft, ſo würde ich ihm z. B. Ap. Geſch. 16 aufſchlagen und ihm die Geſchichte von Paulus und dem Kerkermeiſter in Philippi vorleſen. Auf die Frage des Kerkermeiſters, was er thun ſolle, daß er ſelig werde, antwortete Paulus:Glaube an den Herrn Jeſum, ſo wirſt du und dein Haus ſelig. Meinte da der Apoſtel, der Glaube, daß Jeſus das und das gethan und daß ihm das und das begegnet ſei, ſei ſchon eine Gewähr der Seligkeit? Wer ihm dieſe thörichte Meinung unterlegen wollte, würde damit nur zeigen, daß er ihn nicht kennt. Nein! In jenem erſchütternden Augenblicke war keine Zeit zu einer langen Rede; auf die kurze, beſtimmte Frage folgt eine kurze, beſtimmte Antwort. Sie zeigt dem Fragenden den Weg, den er zu gehen habe, um ſicher zum Ziele zu gelangen.Glaube, daß Jeſus Herr ſei. Darin liegt natürlich auch:Glaube, daß ſeine Lehren uns recht führen. Paulus ſetzt nicht hinzu: Befolge nun aber auch dieſe Lehren. Das war ja nicht nöthig; das verſtand ſich ganz von ſelbſt. Wer da ſagen wollte:Ich glaube an den Herrn Jeſus, aber dann ſeine Lehren nicht befolgen, der wäre ja einem Wanderer gleich, der, nachdem er einen ihm begegnenden Mann des Landes gefragt, wohinaus es nach jener Stadt gehe, und Antwort erhalten, nun zwar ſagen würde:Ich glaube dir, aber doch den gezeigten Weg nicht gehen.

So iſt eben unſer Glaube nicht eine bloße Meinung, die man haben oder auch nicht haben kann; ſondern er gibt uns eine Richtſchnur fürs Leben, und eine beſſere, als es jene ſittlichen Vor⸗ ſchriften thun könnten, wenn wir ſie nicht auf Religion, auf Glauben gründeten; er ſtellt uns ein Ideal vor, höher und reiner als das, das uns die bloßen Moralprediger geben könnten; er iſt uns ein Kompaß bei der Schiffahrt auf dem Meere des Lebens.

Und wir ſollten nicht wünſchen, unſern Kindern dieſen Kompaß mitzugeben? Es kann das ein Lehrer aber nur dann, wenn er ſelbſt einen ſolchen hat.

Was nun endlichUnduldſamkeit betrifft, ſo möchte ich fragen, wer gegenwärtig wohl un⸗ duldſamer ſei als gerade jene, die da lehren, es gebe keinen perſönlichen Gott. Wenn wir die Kinder zu wahren Bekennern unſeres Glaubens bilden wollen, ſo ſollen ſie allerdings unſern und ihren Glauben für den beſten, richtigſten halten, für den, der die beſten Früchte reifen laſſe; aber wir ſind weit entfernt davon, zu lehren, daß Gott nicht auch auf anderm Wege die Menſchen zu ſich führen könne.

Kehren wir zurück. Daß die Schule ſchon um des Erfolges ihres Unterrichts willen erziehend wirken muß, und daß andrerſeits die meiſten ihrer Unterrichtsgegenſtände an und für ſich erziehende