Aufsatz 
Zur Beantwortung der Frage: Wer hat die Jungend zu erziehen?
Entstehung
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einmal Reibungen zwiſchen Schülern verſchiedener Schulen vor, ſo beſchränken ſich dieſe durchaus nicht auf die Schulen verſchiedener Konfeſſionen, und ſo würde dies in einer größeren, lebhaften Stadt mit einander nahe liegenden Schulen gerade ebenſo begegnen, wenn die Schulen konfeſſionsloſe oder gemiſchte wären. Der angeblicheGlaubenshaß iſt für uns kein Grund, eine Änderung zu wünſchen. Die Überzeugung aber, daß nur Lehrer von demſelben religiöſen Bekenntniſſe mit den Schülern den rechten ſittlichen, alſo erziehenden Einfluß auf dieſe ausüben können, läßt mich wünſchen, es möge bei uns hierin bleiben, wie es ſeit langer Zeit iſt, d. h. wir möchten Konfeſſionsſchulen behalten.

Was den ſogenanntenallgemeinen Religionsunterricht betrifft, ſo will ich noch ein Wort eines Mannes anführen, der zwar ſelbſt über allen Konfeſſionen zu ſtehen glaubte, der aber doch wohl wußte, welche Nahrung man der Jugend zu bieten habe. Es iſt der vor wenigen Jahren verſtorbene, allen Schulmännern als pädagogiſcher Schriftſteller bekannte Mager. Als Direktor der höheren Bürgerſchule in Eiſenach ſagt er in einem ſeiner Programme:Die Mehrzahl unſerer Schüler iſt evangeliſch oder ſoll es werden. Der Religionsunterricht, von einem ordinirten Geiſtlichen von anerkannter Frömmigkeit und Gelehrſamkeit gegeben, iſt alſo kein ſogenannter allgemeiner, wie ihn leere und dabei doch konfuſe Köpfe neuerlich anpreiſen und fordern, ſondern ein durch und durch beſonderer, nämlich ein chriſtlicher und zwar proteſtantiſcher und von jenem allgemeinen möglichſt weit entfernt.

Nun, ſagen uns Andere, wir wollen ja auch nicht jenen allgemeinen Religionsunterricht; wir wollen keine religionsloſen oder auch in dem Sinne konfeſſionsloſen Schulen, daß in ihnen alles Koönfeſſionelle ganz ausgeſchloſſen bleibe; wir wollen paritätiſche Gemeindeſchulen, ſolche, die von Kindern aller Konfeſſionen beſucht werden und in welchen jeder Konfeſſion ihr beſonderer Religions⸗ unterricht ertheilt wird.

Aber es beſchränkt ſich ja die konfeſſionelle Eigenthümlichkeit einer Schule nicht auf den Religionsunterricht; ſie zeigt ſich auch im Leſebuche, in Geſchichte, in Geſang, ja ſie durchdringt, auch ohne die beſtimmte Abſicht des Lehrers, das Ganze. Paritätiſche Gemeindeſchulen ſind ein Nothbehelf für ſolche konfeſſionell gemiſchte Gemeinden, wo wenigſtens die eine Konfeſſion nicht ſo zahlreich iſt, daß für ſie eine eigene Schule errichtet werden könnte. Wo aber eine jede der größeren Religions⸗ gemeinſchaften ſo zahlreiche Mitglieder hat wie in unſerm Frankfurt, da iſt es am beſten, auch durch geſonderte Schulen, alſo durch Konfeſſionsſchulen, die Kinder zu wahren Gliedern ihrer Glaubens⸗ gemeinſchaft heranzubilden. Wenn Eltern vorhanden ſind, die für ihre Kinder konfeſſionsloſe oder religionsloſe Schulen wünſchen, ſo möge man, wo es angeht, deren Wünſche erfüllen; aber man möge doch angeſichts der großen Mehrzahl von Eltern, die ihre Kinder im Glauben ihrer Väter erzogen zu ſehen wünſchen, die ſeit langer Zeit beſtehenden konfeſſionellen Schulen nicht durch Mangel an Unterſtützung in ihrem Fortſchreiten mit der Zeit hemmen und ſte ſomit verkümmern laſſen.

Es iſt möglich, daß Mancher, der bis hierhin geleſen hat, nun ein Verdammungsurtheil über mich auszuſprechen bereit iſt; daß er mich zu Jenen rechnet, dieblinden Autoritätsglauben pflanzen, die die Kinder mitDogmen ſtatt mit fürs Leben nützlichen Lehren nähren, die ſie verdummen wollen.

Ich wünſchte, mein Herr Gegner wäre jetzt bei mir, Auge in Auge. Ich könnte ihm ſo Manches zeigen, das ich geſchrieben, und ihn fragen, ob das ſo ausſehe, als wolle ich die Kinder verdummen.

Ich würde ihm auch rathen, ſich, ehe er ſein Urtheil feſtſtellt, bei Manchem meiner ehemaligen Mittlere Bürgerſchule. 2