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willen, um die Zwecke des Unterrichts zu erreichen, der erziehlichen Einwirkung nicht entbehren kann. Der Lehrer der ſpaniſchen oder ruſſiſchen Sprache, bei dem ein Erwachſener, zu beſonderm Zwecke, ſeine Sprache erlernen will, hat allerdings nicht zu erziehen; ſein Schüler weiß, was er will und ſoll, er iſt eifrig; der Lehrer hat nichts Anderes zu thun als Kenntniß der verlangten Sprache zu vermitteln. Und wäre ſelbſt ſein Schüler träge, ſo dürfte er mit Recht denken:„Das iſt ſeine Sache; wenn er Zeit und Geld verſchwendet, ſo iſt es nicht meine Schuld.“
Ähnlich iſt es mit einem Lehrer an einer Hochſchule; lernt der junge Mann, der ſeine Vor⸗ leſungen hört, nichts, ſo iſt es ſeine eigene Schuld; der Lehrer hat keine Verantwortung.
Anders aber iſt es bei uns in der Schule, wo wir Kinder, Unerwachſene vor uns haben. Wollten wir uns begnügen, das, was wir zu lehren haben, vorzutragen, und auch bei etwaigen Wiederholungen es darauf ankommen laſſen, ob die Schüler das Gelehrte verſtanden und behalten haben; und wollten wir bei ſchriftlichen Arbeiten nicht darauf ſehen, ob und wie ſie geliefert werden: dann würde der Erfolg unſeres Unterrichts ein ſehr dürftiger ſein, und er würde, vom Anfange eines Schuljahrs an gerechnet, immer mehr abnehmen, denn, wie einmal die Menſchen ſind, es würde Trägheit, Unordnung, Leichtſinn anſteckend wirken, und auch anfangs fleißige und gewiſſenhafte Schüler würden, vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen, bedeutend nachlaſſen.
Alſo auch bei unſerm Unterrichte und für den Erfolg dieſes Unterrichts müſſen wir erziehend wirken, wir müſſen Fleiß, Ordnungsliebe, Reinlichkeit, Aufmerkſamkeit zu fördern, und was dem entgegenſteht, zu vertreiben ſuchen. Wenn die jugendliche Fröhlichkeit in Muthwillen ausartet, müſſen wir Schranken ſetzen. Wir dürfen nicht dulden, daß ein Schüler einen andern während des Unter⸗ richts boshaft beleidige. Es wird auch nicht an Veranlaſſung fehlen, gegen Unwahrhaftigkeit, gegen Näſcherei und gegen manchen andern Fehler zu kämpfen.
Wollten wir alle jene böſen Regungen unbeachtet laſſen, ſo würde bald ein ſolcher Zuſtand eintreten, daß auch die beſſeren unter unſern Schülern alle Achtung vor der Schule— mit Recht— verlieren müßten; wir thäten dann beſſer, die Schule ganz zu ſchließen.
Während der Schulzeit iſt nicht beſtändig Unterricht; es gibt auch— wenn auch nur kurze— Erholungszeiten, die(es iſt ſo nicht bloß an unſerer Schule, ſondern jetzt gewiß bei der Mehrzahl der Schulen in Deutſchland) bei günſtigem Wetter im Hofe oder Garten zugebracht werden. Es iſt wohl einmal vor einigen Jahren von einer Seite her(nicht von einem Lehrer!) vorgeſchlagen worden, man ſolle in dieſen Zeiten die Schüler, die ja ſo manche Stunde ſtillzuſitzen hätten, Gehübungen machen laſſen. Es wäre ja dann aber die Pauſe in der That keine Erholung. Nein! laſſen wir die Kinder immerhin— nach eigener Wahl— ſpielen. Aber auch hierbei müſſen wir manchmal eingreifen, wenn ſich Wildheit und Rohheit zeigen will; iſt dies der Fall, ſo würde ja ſchwerlich nach dem Ende der Pauſe ſogleich wieder die rechte Stimmung für den Unterricht gefunden werden.
Alſo ſchon um des Erfolgs des Unterrichts willen muß die Schule auch erziehend einwirken.
Aber manche unſerer Unterrichtsgegenſtände wirken ja, auch abgeſehen davon, daß bei jedem derſelben Fleiß, Ordnungsſinn u. ſ. w. gefördert werden ſoll, geradezu erziehend: das Turnen fördert Muth und Gewandtheit und das Ergreifen des rechten Augenblicks, das Zeichnen und Singen den Schönheitsſinn, jeder Unterricht, der es mit Anſchauung zu thun hat, den Beobachtungsſinn und, wird er in rechter Weiſe betrieben, auch den Sinn für Wahrhaftigkeit; letzteren fördert auch der mathematiſche Unterricht; die Betrachtung der Geſtirne, der Erde und der Naturweſen lenkt, auch


