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Nr. 9. Vers 593— 595.
d εαα τ Aasdꝶνκι,⁸ιέσνε‿ν pJ)Gμιαάι
⁶ ν˙&ο †˙ Sεꝓον επα* πνκν˙εσ ᷣπενακσσοντν.
„Lang her ſeh' ich im Labdakidenhaus
Trauer um Hingeſchiedne dicht auf Trauer folgen.“
Daß in der handſchriftlich überkommenen Geſtalt der Stelle etwas ſchadhaft ſei, iſt ziemlich allgemein gefühlt, aber der Schaden nicht an der rechten Stelle geſucht worden. Der allgemeine Begriff Leiden anuara iſt nicht am Ort. Trauerfälle, Todesfälle werden nach dem Vorher⸗ gehenden und Nachfolgenden für die richtige Begriffsfolge gefordert; um ſie und den Untergang ganzer Geſchlechter dreht ſich, angeregt durch den bevorſtehenden Tod der Antigone, der ſo unmittel⸗ bar auf den Tags vorher eingetretenen Tod ihrer beiden Brüder folgt, die Betrachtung des Chors. Trauer⸗ oder Todesfälle aber bezeichnet das Wort rey Sea, und dieß iſt wieder in ſeine Stelle ein⸗ zuſetzen, von der es durch das leicht mit ihm zu verwechſelnde üara verdrängt worden iſt. An weySe« in ſeiner abſtrakten Bedeutung Trauer um Todte ſchließt ſich nun Suercy ganz na⸗ türlich als objektiver Genetiv an. Dieſes letzte Wort aber iſt in keinem Fall zu ändern; denn es iſt das dem Sprachgebrauch bei weitem geläufigſte für den zu bezeichnenden Begriff, und das Metrum ſteht ihm nicht entgegen, da hier in der Gegenſtrophe zwei Kürzen die lange Silbe an der entſpre⸗ chenden Stelle der Strophe vertreten können.
Nr. 10. Vers 599— 600.
vy eναἀaας da⁹ οας εέεειεαιαι ο⸗&ν Oido 86Rς½.
Dieſe nur in dem ganz geringfügigen Punkte, daß dem réraro, um dem Metrum zu ge⸗ nügen, das Augment zugefügt iſt, von der Ueberlieferung abweichende Lesart iſt gegen jede Aenderung feſtzuhalten, namentlich darf kein Relativ d oder öwep eingeſchoben und noch weniger ein ganz un⸗ paſſendes Sοναꝓ an die Stelle von ꝓo geſetzt werden. Daos iſt der Stelle gerade weſentlich, und es kommt nur auf richtiges Verſtändniß an. Der Gedankengang iſt: Todesfall folgt auf To⸗ desfall im Labdakidenhaus; ein Gott ſtürzt ſie aus dem Leben hinab ins Todtenreich, Errettung gibt es nicht. Der Untergang oder das Erlöſchen des Lebens in dieſer Familie ſteht dem Chor alſo vor der Seele. Nun vergleicht er nach einem ſowie uns, ſo auch dem Alterthum ſehr geläufigen Bild— man denke nur an den Genius mit der umgekehrten Fackel als Sinnbild des erloſchenen Lebens— das menſchliche Leben mit der Flamme einer brennenden Kerze, Lampe oder Fackel, die ſo lange brennt bis der Docht(6) herabgebrannt iſt oder durchſchnitten wird. Das Leben einer Familie brennt alſo in ſo vielen Flammen und auf ſo viel Dochten als die Familie Glieder zählt. Nachdem nun im Hauſe des Oedipus(εν Oidirον 364½) zuerſt Jokaſte, dann Oedipus, dann die beiden Söhne geſtorben ſind, ſo ſind die beiden Töchter die letzte Wurzel, der letzte Docht, an denen die Lebens⸗ flamme der Familie noch brennt, und in Antigone wird nun durch die Hippe der unterirdiſchen Götter auch dieſe letzte Wurzel durchſchnitten.


