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Groß⸗Umſtadt den Ausbau ſeiner Realſchule. Nun war aber nach einer Aktennotiz der Stadtverwaltung vom 9. Juni 1921 von ſeiten des Finanzminiſteriums und des Landes⸗ amtes für das Bildungsweſen zugeſichert worden, daß die Realſchule Michelſtadt in erſter Linie und vor der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt in eine Vollanſtalt ausgebaut würde. Da ſich die Regierung durch dieſe gelegentlich gemachte Zuſage offenbar nicht gebunden fühlte, kam es notwendig zu einem Wettkampf zwiſchen Groß⸗Umſtadt und Michelſtadt, in deſſen Verlauf jede der beiden Städte den Nachweis zu erbringen ſuchte, daß ihre Anſtalt den größeren Anſpruch auf Ausbau habe. In einer gemeinſamen Sitzung der Vertreter der beiden Gemeinden und Schulen, die am 10. Februar 1922 unter dem Vorſitz des Staatsrats Block in Höchſt ſtattfand, ſollte eine Verſtändigung über den Ausbau nur einer der beiden An⸗ ſtalten herbeigeführt werden. Dieſe Abſicht wurde jedoch nicht erreicht, vielmehr erklärten ſich beide Städte in gleicher Weiſe bereit, ſämtliche durch den Ausbau entſtehenden Koſten dauernd zu übernehmen. Die Folge hiervon war, daß durch Verfügung vom 3. April 1922 Michelſtadt ebenſo wie Groß⸗ Umſtadt die Genehmigung zum probeweiſen Ausbau ſeiner Realſchule und demgemäß zur Einrichtung der Unterprima mit Beginn des Schuljahres 1922 erteilt wurde. Nachdem Oſtern 1924 die erſte Reifeprüfung ſtattgefunden hatte, wurde die Anſtalt endgültig als Oberrealſchule anerkannt.
Der Ausbau der Realſchule zur Vollanſtalt machte die Schaffung neuer Räume notwendig. Zunächſt dachte man daran, auf der Turnhalle einen Aufbau zu errichten, der vier Klaſſenſäle und zwei Wohnungen enthalten ſollte. Aus techniſchen Gründen mußte jedoch dieſer Plan aufgegeben werden. Schließlich wurden die erforderlichen Räume durch Errichtung eines Anbaues an das Realſchulgebäude gewon⸗ nen. Am 15. Januar 1925 fand die feierliche Einweihung ſtatt.
So hatte der hintere Odenwald endlich ſeine Vollan⸗ ſtalt und dieſe ein ausreichendes Heim. Die Stadt Michelſtadt hatte zum Beſten der Geſamtbevölkerung des Kreiſes ſchwere
Geldopfer auf ſich genommen. Bald zeigte es ſich, daß Michel⸗ ſtadt auf die Dauer nicht imſtande war, die Koſten für die aufgebauten Klaſſen allein zu tragen. Der Kreis, der die Hälfte der Baukoſten übernommen und für die erſten drei Jahre einen Zuſchuß bewilligt hatte, mußte auch weiterhin helfen, und er tat es in der Erkenntnis, daß das Eingehen der Oberrealſchule für den ganzen Kreis eine ſchwere Schädi⸗


