Ull. Die Oberrealſchule.
Bereits im Jahre 1907 wurde die Frage des Ausbaus der Realſchule zur Vollanſtalt ernſtlich in Erwägung gezogen. Allein die Verteilung der Koſten der höheren Schulen war damals ſo, daß die Stadt für die Realſchule nur einen ver⸗ hältnismäßig geringen Zuſchuß zu leiſten hatte, während ſie für die Oberrealſchule ſämtliche ſachlichen und die Hälfte der durch die Einnahmen nicht gedeckten perſönlichen Koſten hätte tragen müſſen. Dieſer Grundſatz hätte nicht etwa nur für die aufgebauten Klaſſen, ſondern für die ganze Schule Anwen⸗ dung gefunden, ſo daß allein für die Realſchule nach dem damaligen Stand 17 957,50 ℳ gegen ſeither 4 300 ℳ von der Stadt hätten übernommen werden müſſen. Dies war aber ganz unmöglich, und ſo unterblieb der Ausbau, obwohl er ein längſt gefühltes Bedürfnis war.
Erſt im Jahre 1920 wurde die Frage erneut in Angriff genommen. Die Anregung dazu gab aber nicht etwa, wie vielfach geglaubt wird, der damalige Bürgermeiſter Ritzel, ſondern Profeſſor Dr. Werner⸗Butzbach, der in dem Mangel an Vollanſtalten auf dem Lande eine ungerechte Zurückſetzung und Benachteiligung der Landbevölkerung erblickte. Eine von ihm verfaßte und von den Verwaltungen der Städte Alzey, Bad⸗Nauheim, Butzbach, Dieburg, Friedberg, Groß⸗Umſtadt und Michelſtadt unterzeichnete Eingabe an die Heſſiſche Volks⸗ kammer und das Geſamtminiſterium legte eingehend die Gründe dar, die für den Ausbau höherer Schulen auf dem Lande ſprachen, brachte jedoch nicht den erhofften Erfolg: von ſeiten der Regierung wurde nichts unternommen. Es blieb alſo den in Betracht kommenden Städten nichts andres übrig, als daß jede für ſich den Ausbau ihrer höheren Schule in die Wege leitete. Zuerſt taten dies Bad⸗Nauheim und Friedberg. Durch Uebernahme ſämtlicher Koſten für die auf⸗ gebauten Klaſſen erreichten ſie, daß ihre Schulen ausgebaut wurden. Im Gefolge dieſer Städte beantragte jetzt auch


