Aufsatz 
Geschichte der Oberrealschule Michelstadt i.O. 1834-1934 : Festschrift zur Hundertjahrfeier am 28., 29. und 30. September 1934
Entstehung
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und bei der Unzulänglichkeit der Mittel nichts übrig, als das dargebotene Lokalproviſoriſch anzunehmen. Dieſes Provi⸗ ſorium dauerte allerdings 40 Jahre.

Die Erweiterung, welche die Räumlichkeiten der Schule im Jahre 1846 erfuhren, haben wir oben erwähnt und zu⸗ gleich mitgeteilt, daß der Direktor Dr. Steinberger damals erklärte, die Realſchule könne hinſichtlich ihres Lokalesvoll⸗ kommen befriedigt ſein.

Die Raumfrage wurde wieder brennend und drängte zu einer nunmehr endgültigen Löſung, als nach der Reor⸗ ganiſation der Realſchule im Jahre 1868, durch welche wenigſtens vom Schuljahr 1874/75 ab die Anſtalt ſechs⸗ klaſſig geworden war, und nach der Eröffnung der Odenwald⸗ bahn im Jahre 1871 die Schülerzahl derart ſtieg, daß eine Klaſſe außerhalb des Lokals, zuerſt in das Wiener'ſche Haus, in welchem unter dem Schulſaal eine Schreinerei betrieben wurde, ſodann in den Tanzſaal der Wirtſchaft zur Amſel, unmittelbar über der Wirtsſtube gelegt werden mußte. Jetzt traten die urſprünglich gerügten Mängel des Lokales ſo bedeutend hervor, daß ein längeres Verbleiben in ihm un⸗ möglich wurde. Mit großem Eifer und viel Geſchick ging Direktor Becker daran, den Bau eines Schulhauſes in die Wege zu leiten. In dem Programm 1872/73 ſtellte er in einem AufſatzeEinige Forderungen an Schulgebäude vom pädagogiſchen Standpunkte mit Bezugnahme auf das Lokal der hieſigen Realſchule zuſammen. Dabei ließ er ſich nicht nur durch die Bedingungen einer den Zielen unſerer Schule entſprechenden geiſtigen und ſittlichen Ausbildung der Jugend, ſondern beſonders auch durch die Grundſätze der Hygiene bei der körperlichen Entwicklung des Kindes leiten. Er ſagt:Je höher nämlich das Maß des Wiſſens und Könnens iſt, das heutzutage mit Recht von den Schülern höherer Lehranſtalten gefordert wird, je entſchiedener zugleich eine beſtimmte Rich⸗ tung der Charakterentwicklung verlangt wird, deſto dringen⸗ der iſt die ſorgfältigſte Beachtung einer richtig geleiteten körperlichen Ausbildung geboten, damit in der gleichmäßigen Entfaltung der geiſtigen, ſittlichen und körperlichen Anlage ein wahrhaft humanes Bildungsziel erreicht werde.

Wie wenig das Schullokal den berechtigten Anforder⸗ ungen genügte, mögen folgende Angaben, die Becker am 17. Dezember 1873 zu Protokoll gab, dartun:

1. Die Räume ſind für die drei Unterklaſſen unzureichend; das Zimmer für Kl. III iſt zugleich Lehrzimmer für die