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in Deutſchland kommt dann der Redner auf die beſonderen Verhältniſſe der Michelſtädter Realſchule zu ſprechen und wirft zunächſt wieder die Frage auf, ob denn Michelſtadt, ob der Odenwald eine Realſchule in dem bezeichneten Sinne nötig habe. Die Antwort iſt ein unbedingtes Ja.„In einer Gebirgsgegend, wie die unſere, kann die patriarchaliſche Ruhe, die ſtille Behaglichkeit des Saturniſchen Zeitalters, in dem Ackerbau und Viehzucht des Menſchen Bedürfniſſe reichlich befriedigten, nur ſo lange dauern, als die Bevölkerung ge⸗ ring iſt. Wächſt dieſelbe, ſo daß ſie der Boden, auf dem ſie wohnt, nicht mehr nährt und ein großer Teil des in ihr flüſſigen Kapitals für den nötigen Bedarf an Lebensmitteln nach außen geht, ſo iſt nur ein Zweifaches denkbar: entweder der allgemeine Wohlſtand geht zu Grunde, oder der Ueber⸗ ſchuß an Arbeitskräften muß ſich den Gewerben zuwenden; aus dieſem Grunde ſind die induſtriellen Bezirke in Deutſch⸗ land vorzugsweiſe Gebirgsgegenden. Auch in unſerem Müm⸗ lingtal, zumal in Michelſtadt, haben ſchon frühzeitig gleiche Urſachen die gleichen Wirkungen hervorgerufen. Unſer Müm⸗ lingtal iſt eine der dichtbevölkertſten Gegenden unſeres Lan⸗ des; dabei iſt die dem Ackerbau angewieſene Bodenfläche ſehr beſchränkt und reicht lange nicht hin ſowohl zur Beſchäftigung, als zur Ernährung der Bevölkerung. Dies mußte ſchon früher einen großen Teil derſelben veranlaſſen, ſich den Gewerben zuzuwenden, und in der Tat iſt unſere Gegend, abgeſehen von den größeren Städten, ſicherlich der induſtriellſte Bezirk unſres Großherzogtums. Michelſtadt zumal iſt von jeher ein gewerb⸗ ſamer Ort geweſen. Nun haben ſich allerdings in neueſter Zeit die Verhältniſſe im induſtriellen Leben gänzlich geändert; wo früher Hunderte von Händen tätig waren, da arbeitet jetzt mit ungleich größerem Erfolge eine Maſchine, und an die Stelle einer früher zahlreichen Zunft ſind jetzt 4—5 Fabriken getreten... Haben ſich aber manche äußeren Verhältniſſe geändert, ſo muß ſich nun auch der ſpekulative Geſchäftsſinn der Menſchen ändern, haben einzelne Gewerbe ihren Boden verloren, ſo müſſen neue aufgeſucht werden, und will es, worauf denn alle Zeichen der Zeit deuten, den ein⸗ zelnen Geſchäften nicht mehr gelingen, die mächtige Kon⸗ kurrenz zu beſtehen, ſo müſſen eben die Einzelnen ihre Kräfte vereinen.... Wer aber wird ſich in all dieſen Verhältniſſen zurechtfinden, das für ihn Nötige und Nützliche zur rechten Zeit ergreifen können? Nur der Mann von Einſicht und Verſtand, nur der, deſſen Geſichtskreis über die Berge des Mümlingtals hinausgeht. Und wo legt man den Grund zu


