Aufsatz 
Geschichte der Oberrealschule Michelstadt i.O. 1834-1934 : Festschrift zur Hundertjahrfeier am 28., 29. und 30. September 1934
Entstehung
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dieSchulanſtalt zu Michelſtadt im Odenwalde, der von einemFreunde der Jugendbildung abgefaßt iſt und alles enthält, was dem Verfaſſervon obiger Anſtalt und wie es ihm, auf indirektem Wege, bekannt geworden iſt. Dieſen Artikel möchten wir den Freunden unſerer Anſtalt nicht vor⸗ enthalten. Er lautet:Zu den neueren Erſcheinungen im Gebiete der Jugendbildung, welche wir nicht mit Stillſchwei⸗ gen übergehen dürfen, gehört auch die in die 2. Hälfte des 1822.(richtig 1823.) Jahres fallende Errichtung einer höheren Schulanſtalt zu Michelſtadt in der großherzoglich heſſiſchen Provinz Starkenburg. Sie verdankt ihre Entſtehung zunächſt dem von dem gebildeteren Volksteile jener Gegend längſt ſchon gefühlten Bedürfniſſe, den zu einer höheren Laufbahn beſtimmten Jünglingen durch einen wohlberechneten Vorbe⸗ reitungsunterricht es möglich zu machen, bei ihrem Eintritte in das Obergymnaſium in deſſen höhere Klaſſen aufgenom⸗ men zu werden, und ſich ſo den längeren koſtſpieligeren Aufenthalt daſelbſt zu erſparen. Hiermit vereinigte ſich zu⸗ gleich der Wunſch vieler Mitglieder des dortigen Bürgerſtan⸗ des, ihren Söhnen eine höhere Ausbildung zu verſchaffen, als dies in den Bürgerſchulen bei deren Ueberfüllung ſelbſt auch bei dem redlichſten Beſtreben der fähigeren Lehrer bis⸗ her möglich war. So zählte z. B. die erſte Knabenſchule zu Michelſtadt, welcher ein Praeceptor literatus vorſteht, noch vor ungefähr 16 bis 18 Jahren nicht mehr als 30 bis 40 Schüler, jetzt aber das Doppelte dieſer letzteren Zahl, und wenn damals kein Schüler unter dem 11. und 12. Jahre in dieſelbe aufgenommen wurde, ſo findet man nun bei der viel größeren Zahl der jährlich aufgenommen werdenden häufig auch Knaben von 9 und 10 Jahren, ſo daß es höchſt unbillig erſcheinen würde, jetzt noch eben dieſelben Forderungen an dieſe Schule zu machen, welche man in früherer Zeit zu ma⸗ chen berechtigt war. Da nun eben dieſes höchſt wahrſcheinlich auch der Fall in dem benachbarten Erbach ſein dürfte, ſo läßt ſich die Notwendigkeit einer höheren Schulanſtalt für die hieſige Gegend nicht wohl bezweifeln.

Schon im erſten Viertel des 17. Jahrhunderts ſollte unter der Regierung des Grafen Ludwig zu Erbach( 1643), durch die tätige Mitwirkung der Gräfin Juliane, geborenen Gräfin zu Waldeck, ein Gymnaſium zu Erbach errichtet wer⸗ den, wozu nach geſchichtlicher Ueberlieferungvon fürſtlichen, gräflichen und adligen Perſonen beigeſteuert und von ge⸗ dachter Gräfin ſelbſt ein Anſehnliches zugeſchoſſen wurde; aber bei den ſo ungünſtigen Verhältniſſen der damaligen