Aufsatz 
Geschichte der Oberrealschule Michelstadt i.O. 1834-1934 : Festschrift zur Hundertjahrfeier am 28., 29. und 30. September 1934
Entstehung
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Zeit, herbeigeführt durch den ſchreckenvollen dreißigjährigen Krieg und deſſen trauriges Gefolge, konnte die ſchöne Idee unmöglich in ihrem ganzen Umfange ausgeführt werden; das Gymnaſium blieb nichts anderes, als eine ſogenannte Rektoratsſchule, in welcher der höhere Unterricht nur ſehr notdürftig erteilt werden konnte.

Was in der früheren Zeit aber in ſeinem ganzen Um⸗ fange nicht gelingen wollte, die Errichtung einer höheren Bildungsſchule für die jungen Leute hieſiger Gegend, dürfte nun nach 200 Jahren durch den beharrlichen Eifer des jedes Gute mit Wärme unterſtützenden Grafen Albrecht(richtig: Albert) zu Erbach⸗Fürſtenau glücklich zu Stande gebracht wer⸗ den. Er unterzeichnete nämlich nicht nur eine bedeutende Summe zu dieſem Zwecke, ſondern bewog auch andere hohe Perſonen, ſo wie die höhere Dienerſchaft zu Michelſtadt, die⸗ ſem Beiſpiele nachzufolgen, und ſo hatte man denn ſehr bald, und zwar auf mehrere Jahre, einen nicht ſo ganz unbeträcht⸗ lichen Fond zur Beſoldung beſonderer Klaſſenlehrer, und es wurde hierdurch dem ſich um die Aufnahme Meldenden mög⸗ lich gemacht, den Unterricht in der Anſtalt vor der Hand gegen ein jährliches Honorar von 25 fl. zu genießen.... Die an der Schule angeſtellten Lehrer erfreuen ſich durch ihren rühmlichen Eifer für die gute Sache der Jugendbildung des ungeteilten Beifalls ſämtlicher hoher Intereſſenten, ſo wie durch ihr humanes Benehmen gegen die Zöglinge, der ungeheuchelten Liebe und Ergebenheit dieſer letzteren, unter deren Zahl ſich ſelbſt zwei Grafen, nämlich die beiden Erb⸗ grafen zu Erbach⸗Fürſtenau und Solms⸗Wildenfels befinden.

In den monatlichen Schulkonferenzen werden die Zen⸗ ſurtabellen geprüft und das Beſte der Anſtalt wird in Be⸗ ratung genommen.... Zu bedauern iſt es übrigens, daß von dem ſo nahe gelegenen Erbach kein einziger Schüler in der Anſtalt zu finden iſt, was wir nur der zwiſchen beiden Orten lange ſchon beſtehenden gegenſeitigen Abneigung, herbeige⸗ führt durch törichte Rivalität, mit einiger Wahrſcheinlichkeit zuſchreiben können.

Eine große Schwierigkeit bot die Raumfrage. Bis im Jahre 1828 die Schule in das eigens für ſie erbaute Haus, in dem ſich jetzt die Zweigſtelle der Bezirksſparkaſſe Erbach be⸗ findet, einziehen konnte, war ſie nur notdürftig unterge⸗ bracht und mußte wiederholt ihr Lokal wechſeln. Eröffnet wurde ſie im Schmuckerſchen Hauſe, dann war ſie bei Spiegel und ſchließlich in dem vorm Neuen Tor ſtehenden Seipſchen Hauſe.