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Der Lehrplan entſprach völlig dieſem Ziele der Vorbe⸗ reitung für die Prima eines Gymnaſiums. Die Schüler ſollten vor allem zu tüchtigen Lateinern herangebildet wer⸗ den, und ſo entfielen auf den Unterricht in der lateiniſchen Sprache bei weitem die meiſten Stunden, nämlich 24, d. h. 8 für jede Klaſſe. Auf das Griechiſche ſollten vorerſt nur 3 Stunden verwendet werden. Für Deutſch ſah der Lehr⸗ plan ebenfalls nur drei Stunden vor,„weil der Unterricht in den klaſſiſchen Sprachen wohltätig auf die Mutterſprache zurückwirkt.“ Den Unterricht in der franzöſiſchen Sprache ſtellt der Lehrplan„ganz dem Ermeſſen der Intereſſenten und dem Urteil des betreffenden zu acquirierenden Lehrers anheim.“ Die auf die„Schulwiſſenſchaften“ verwendeten Unterrichtsſtunden verteilen ſich folgendermaßen: Religion 3, Mathematik(alle Schüler in einer Klaſſe vereinigt) 3, Geo⸗ graphie 2, Geſchichte 4(2 Klaſſen mit je 2), Naturgeſchichte 2, Phyſik 2, Rechnen 2 Stunden wöchentlich.
Der Graf Albert, dem dieſer Lehrplanentwurf zur Prüfung vorgelegt wurde, machte beachtenswerte Ausſtellun⸗ gen. In einem Schreiben vom 15. Auguſt 1823 hält er es für gut,„wenn die aufgeſtellten Anſichten der Begutachtung eines in jeder Beziehung theoretiſch und praktiſch gebildeten Schulmannes unterſtellt werden, einmal, um den Gehalt des Planes genau zu prüfen, und dann, um weitere allenfalls nötig ſcheinende Veranſtaltung zu treffen.“ Die Herren Hof⸗ prediger Bauer und Inſpektor Willenbücher erſchienen dem Grafen geeignet,„die Kritik aufzuſtellen, deren auch die beſte und verdienteſte Arbeit oftmalen bedarf, wenn ſie an Reich⸗ haltigkeit und Vielſeitigkeit der Ideen gewinnen ſoll.“ Zu dem„Gehalt“ des Lehrplans meint der Graf:„Wenn ich auch finde, daß der lateiniſche Unterricht ſehr weſentlich bleibt, und daß die meiſten Stunden für denſelben erforder⸗ lich, ſo glaube ich dennoch, daß ſolcher in etwas zu Gunſten der übrigen wiſſenſchaftlichen Doktrinen beſchränkt werden müſſe, weil das geſchichtliche und mathematiſche Studium, wenn ich auch der niedrigen Zweige des Wiſſens nicht ge⸗ denken will, mir hier und nach dem vorliegenden Lehrplan beſonders allzuſehr beſchränkt erſcheint. Geſchichte und Mathe⸗ matik ſind in dem wiſſenſchaftlichen und philoſophiſchen Leben zwei ſehr nötige Wegweiſer, indem die erſtere zu Selbſter⸗ kenntnis und reiner philoſophiſchen Analyſe führt, die an⸗ dere hingegen dem poſitiven Wiſſen und der ökonomiſchen Anwendung desſelben die Bahn eröffnet.“ Es iſt deutlich: dem Graſen ging es bei der Einrichtung der Schule um mehr


