Aufsatz 
Rückblick auf die Geschichte der Lateinschule und des Gymnasiums zu Laubach in Hessen : Festschrift zum 25jährigen Jubiläum des Gymnasiums Fridericianum ; mit 6 Beilagen und 4 Abbildungen / Von Dr. August Röschen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Offentliche Prüfungen.

6

Grammatica oder des Compendiums noch nicht genügend vorbereitet sind. Die zweite Abteilung bilden dieCatechumeni Grammatici, die aus der Catechesis Grammatica oder dem Compendium das erlernen, was sie im Donat noch nicht gehabt haben, jedoch mit Ausnahme des Unregelmässigen.

In der dritten Klasse, deren Schüler alsGrammatisten be- zeichnet werden, wird die lateinische Grammatik nach Melanchthons Grammatica latina oder nach demSelectum compendium des Petrus Nigidius zum Ahschlusse gebracht. Diese Klasse ist, ausser einigen jüngeren Schülern, bei dem Unterrichte in der lateinischen Grammatik und bei der Lektüre von Terenz, Vergil und Cicero mit, den beiden oberen Klassen(I und II) vereinigt.

Die zweite Klasse umfasst ausser Latein auch den Unterricht in der griechischen Sprache. Ausser eingehender Behandlung der griechischen Grammatik werden die griechischen Evangelien und der griechisch-lateinische Katechismus des Hliob Magdeburg(gest. 1595) gelesen.

Die erste Klasse liest, wie wir oben gehört haben, gemeinsam mit der zweiten und dritten Klasse die eingeführten Autoren. Als besondere Lehrgegenstände hat sie Prosodie, Rhetorik, Dialektik und den Brief Pauli an die Römer. Ausserdem wird die griechische Grammatik zum Abschlusse gebracht.

Die sechste Klasse, eine ausserordentliche, bildeten einige Schüler, denen aus bestimmten Gründen eine Konzession gemacht wurde. Ihr Lehrziel war vollkommene Fertigkeit im Lesen der deutschen Sprache und die Erwerbung einer schönen Handschrift. Ausserdem wurden die Hauptstücke der christlichen Religion aus Luthers Katechismen und demCorpus Doctrinae des Matthaeus Judex behandelt.

Neben dieser wissenschaftlichen Ausbildung wurde noch beson- ders eine strenge moralisch-religiöse Erziehung angestrebt. Für diesen Unterricht, der vorzugsweise Mittwochs und Samstags statt- fand, teilte man die Schüler in vier Klassen. Zu Grunde gelegt wurden die Katechismen Martin Luthers und des David Chytraeus, sowie die ethische Schrift des Erasmus von Rotterdam, dieCivilitas morum. Sonntags wurde das griechische Evangelium von den Schülern gelesen und erklärt.

Als Zeit des Unterrichts wurden die Stunden von 6 bis 10 Uhr morgens und 12 bis 4 Uhr mittags festgesetzt.

Von grosser Bedeutung waren die Prüfungen, die zweimal im Jahre, im Frühjahre(in der Woche nach Laetare) und im Herbste