— 3—
in eine Kapelle umgewandelt worden. Aus den geistlichen Gefällen dieser Kapelle bezw. des St. Michaels-Altars, der vornehmlich in der alten Wüstung Kreuzseen¹) Besitzungen hatte, wurde ein Teil der Besoldung der Lehrer der Lateinschule bezogen. Auf den Witten- berger Lehrer Johannes Albinus folgte ein Lehrer aus Ursel(bei Homburg v. d. H.), namens Daniel Schonewaldt, als dessen Nach- folger ein Lehrer aus Corbach erscheint, Wolradus Grammateus (auch Wolradus Scriba, Schreiber, genannt). Dieser Lehrer wirkte vom 12. Juli 1569 bis 4. Oktober 1575. Unter der Amtsführung Scribas wurde eine zweite Lehrerstelle geschaffen, indem am 12. Januar 1574 Johannes Stutzius aus Laubach zum„oıyegyos et collega“ ernannt wurde. Zwei Jahrhunderte hindurch(abgesehen von drei Jahrzehnten, 1635— 1665) wirkten ausser den beiden Stadt- geistlichen stets zwei Lehrer an der Lateinschule, die beide„homines literati“(akademisch gebildet) waren. Der erste Lehrer wird mit der Leitung der Schule betraut(scholae regimen); 1613 wird er als „praeceptor superior“ bezeichnet, 1616 als„rector.“ Dem zweiten wird die„o-*τοοιιασοσαα⁴ανaꝰõo öübertragen; 1587 wird er als Unter-Schulmeister, von 1661 an als„conrector“ bezeichnet. Vom Jahre 1581 ist eine genaue Angabe der Besoldung erhalten. Der erste Lehrer(Johann Kober von Sonnenwalde) erhielt„die Kost zu Hofe, zwanzig Gulden Pfenniglohn auß den geistlichen Gefellen zu Redel- heim und zwei Cleidt. So gibt Ime die gemein allhie Jerlich zchen gulden für der einheimischen Knaben schulgeldt.“ Der zweite, der Unter-Schulmeister(M. Hartmann Runckel), erhielt 1587„die Kost zu Hofe, aus den geistlichen Gefellen fünfzehen und dess wegen er das Capitel lieset vom Rath fünff gulden, das ist jedes Quartal fünff gulden.“
Von 1577— 1602 sind genaue Schüler-Verzeichnisse vorhanden. Die Mehrheit bildeten selbstverständlich Schüler aus Laubach und den nächstgelegenen Orten; jedoch finden wir auch eine stattliche Anzahl auswärtiger Schüler, aus Frankfurt, Wiesbaden, Marburg, Cronberg, Usingen, Friedberg, Butzbach, Büdingen usw. Neben den bekannten altlaubachischen Namen Terhell, Preuss, Fladung, Stotz, Schütz, Günther, Jäger, Volp, Desch(Tesch), Lauth, Göbel, Kreicker, Wöll, Pauli, Weißel usw. usw. begegnen wir
¹) Die Bewohner der bei Laubach ausgegangenen Dörfer bildeten(und bilden heute noch) eine gewisse Gemeinschaft. Auch hatte die Kirche, womit die Schule eng verbunden war, Besitzungen zu Kreuzseen, Ruthardshausen usw. (Vgl. hierzu auch: Friedrich Graf zu Solms im Archiv f. hess. Gesch. XV, 430 ff., sowie W. Matthäi, ebenda XIV, 666 ff.)
Besoldung der Lehrer.
Schülerbestand. Stipendiaten.


