Anhang.
Kritik der Überlieferung von einem zweiten Gnaden⸗ geſchenk des Königs.
n Perſchkes„Beſchreibung und Geſchichte der Stadt Landeshut“ S. 61 findet ſich folgende Notiz:„Ein an⸗ deres gleich hohes Gnadengeſchenk ging der Stadt da⸗
durch verloren, daß man es nicht, wie der Monarch erwartet
hatte, induſtriös anlegte, ſondern 90 000 Rtlr. an Schmiedeberg verlehnte, dem es der entrüſtete Monarch bei der Beſchwerde ermangelnder Rückzahlung zu laſſen befahl.“ Da dieſe Er⸗ zählung noch in der hieſigen Bevölkerung lebt etwa in der
Wendung, daß der König geſagt haben ſoll:„Wenn die Lan⸗
deshuter mein Geld nicht brauchen können, ſo mögen es die
Schmiedeberger behalten“, und andrerſeits dieſe Geſchichte,
geſetzt, daß ſie wahr iſt, Schmiedeberg den Ruf der Un⸗
ehrlichkeit einträgt und Landeshut mit einem Schlage zu der klaſſiſchen Berühmtheit eines Schöppenſtädt oder Schild⸗ burg erheben müßte, ſo ſoll ſie im folgenden auf ihren Wert geprüft werden, inmaßen nicht gut anzunehmen iſt, daß eine vorbeſagter Städte nach jenem zweifelhaften Ruhm gieren dürfte, mag man auch ſonſt ſchon einer Immediatſtadt des
18. Jahrhunderts allerlei zutrauen. Von Perſchke iſt dann
die Nachricht in einzelne ſogenannte„Chroniken“ übergegangen,
von denen aus ſie wohl ins Volk geſickert iſt, das begreif⸗ licher und verzeihlicher Weiſe geneigt iſt, alten Stadtchroniken mehr hiſtoriſchen Wert beizumeſſen, als ſie meiſt haben. Die
Wiſſenſchaft aber iſt leider durchaus ſkeptiſch veranlagt, ſie
glaubt nicht mit dem Ohr, ſondern mit dem Auge, und auch
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