Aufsatz 
Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Realgymnasiums zu Landeshut
Entstehung
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zu bringen ſuchen würde, was er zugeſagt habe,*) ſo war der König doch zunächſt nicht gut auf ihn zu ſprechen. Unter denen, die am 17. Auguſt 1781 den König auf ſeiner Durchreiſe in Landeshut erwarteten, befand ſich auch der Abt, und während des Pferdewechſels wendete ſich der König an ihn mit der Frage, ob die bewußte Statue auf ſeinem Kloſter⸗ hof noch ſtehe. Das bezog ſich auf einen hölzernen Strafeſel, den die Oſtreicher dagelaſſen hatten und den der König 1769 dort geſehen hatte. Damals hatte er die nach Teplers Bericht**)auffallende Frage an den Abt gerichtet, ob dieſes Zeichen vielleicht das Wappen des Herrn Prälaten ſei, und als er wiederkam, ob das vielleicht die Statue eines ſeiner Vorfahren ſei. Hier in Landeshut, beim Anblick des Abtes, erinnerte er ſich dran, und jene moquante Frage und die Antwort des Abtes, daß dieStatue nicht mehr daſtehe, war die ganze Unterhaltung zwiſchen dem König und ihm. Die Situation muß für den Prälaten um ſo peinlicher ge⸗ weſen ſein, als die Sache doch offenbar landkundig war. Auch 1784 in Schweidnitz ward er zur Tafel gezogen; dies⸗ mal kam er, wenn auch nicht ganz ungerupft, doch weſentlich beſſer weg. Friedrich unterhielt ſich zuerſt mit ihm über Re⸗ ligionsſachen und äußerte, daß er dem Beiſpiel des Kai⸗ ſers in Aufhebung der Klöſter nie folgen werde, indem er ſich nicht bemächtigt glaube, über die Gemüter der Perſonen, noch weniger über ihre Realitäten noch Poſſeſſionen zu dispo⸗ nieren, aber über die Ernennung des Abtes zum Viſitator generalis aller ſchleſiſchen Ciſterzienſerklöſter hat er ihn doch ſehrraillieret und öfters General⸗Leutnant genannt.**) Ein liebenswürdiges Gegenſtück zu dieſenRaillerien zeigt die Behandlung des Prälaten vom Kloſter Rauden bei dem Diner in Koſel 1783. Friedrich hatte ihn über Tiſch

*) Original im R. A. zu Landeshut.

**) M. R. III 24 a vol. III, Bl. 82 ff. Tepler gibt an, daß der König die Frage bez. des Wappens ſchon an Placidus gerichtet habe, als er vor 12 Jahren dort übernachtete, alſo 1769. Auch 1776 beim Aus⸗ ſteigen fragte er den Prälaten, ob ſein Vorfahr noch lebe. vol. II, Bl. 92.

***) M. R. III 24 a vol. V, Bl. 88. Es muß aber dann noch beſſer gekommen ſein, denn der in vol. II 96 enthaltene Bericht des Landrats von Schweinitz ſchließt:Die Litaney, ſo S. Maj. zum Gedächtnis der heil. Anna dem HEw. Prälaten vorzuſingen gnädigſt geruheten, behalte ich mir vor Ew. Exellenz, ſobald ich uſw. zu erzählen.

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