Aufsatz 
Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Realgymnasiums zu Landeshut
Entstehung
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der ſogenanntenkomiſchen Unterhaltung trugen und als Plaſtrons für die Pfeile des Königlichen Witzes dienten. Es iſt bekannt, daß Friedrich dem Großen ein ſtarker Sarkas⸗ mus zu eigen war und daß er ſich mit Vorliebe die katho⸗ liſche Geiſtlichkeit zur Zielſcheibe ſeines Spottes nahm.*) Wehe dem, der nicht Gewandtheit und Schlagfertigkeit genug be⸗ ſaß, um taktvoll parieren zu können. Auch der Grüſſauer Prälat Placidus Mundfering wußte davon zu ſagen. Der König ſcheint ihn nicht ungern gehabt zu haben, wie ſeine überaus freundliche Erwiderung der Neujahrsgratulation des Abtes 1774 beweiſt**) und die mehrfachen Einladungen zur Tafel(1775 in Schweidnitz, wo nurJocoſa über Tiſch dis⸗ couriert wurden, 1779 in Landeshut, 1784 wieder in Schweid⸗ nitz). Bei dem Diner in Landeshut unterhielt er ſich mit ihm über Religionsſachen und über den Zeitvertreib der Geiſtlichen in⸗ nerhalb und außerhalb des Kloſters, auch ſprach man über den Papſt, daß er dem König wohlgeſinnt ſei: wobei der Prälat als einen Beweis derpreußiſchen Geſinnung des heiligen Vaters die Tatſache bezeichnete, daß jener ſeine Trup⸗ pen aufpreußiſchen Fuß einexerzieren laſſe.***) Aber 1778, kurz vor dem Ausbruch des Erbfolgekrieges hatte der Abt mit den Öſterreichern korreſpondiert, was dem Stift die Warnung eintrug, daß der König einen verräteriſch Geſinnten vor ſei⸗ nem Kloſter aufhängen laſſen würde.) Wenn auch dann Friedrich die Entſchuldigung des Prälaten angenommen und der Miniſter Hoym ihm in Ausſicht geſtellt hatte, daß ſich auch die königliche Gnade wiederfinden würde, wenn ermit aller Treue und vorzüglichem Eifer durch die Tat in Erfüllung

*) Aber auch adlige Tiſchgäſte wurden nicht verſchont. Von der Unterhaltung bei dem Diner in Schweidnitz 17. Aug. 1775 berichtet in überaus maliziöſer Weiſe der Landrat des Reichenbacher Kreiſes von Dresky folgendes:Der gute Graf Hochberg von Fürſtenſtein wurde während der Tafel mit einer lakoniſchen Miene befragt, ob er denn ganz allein in Fürſtenſtein wohnte, von was für Geſchlecht ſeine Frau wäre und wie viel Kinder er habe. Man ſah es dem ehrlichen Grafen an, daß ſein ſchon ſattſam wäſſerichtes Blut über dieſe Frage vollends ſeine Konſiſtenz verlor. M. R. III 24a vol. II, Bl. 52.

**) Originalbrief im Ratsarchiv zu Landeshut, wo außer vier an⸗ dern Privatbriefen des Königs auch der von Hoym an den Prälaten.

***) M. R. III 24 a vol. II, Bl. 96. ) Grünhagen II, 447.

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