Aufsatz 
Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Realgymnasiums zu Landeshut
Entstehung
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bequem geworden ſein,*) namentlich, wenn ſein Geſundheits⸗ zuſtand ſo ſchlecht war wie auf den letzten ſchleſiſchen Reiſen, und es läßt ſich wohl begreifen, daß er den Krauſendorfer Bauern hatte entgehen wollen oder daß er gelegentlich einen Bittſteller trocken abfertigte. Als auf ſeiner letzten Reiſe ihm in Goldberg ein alter Mann aus dem Landeshuter Kreiſe eine Bittſchrift überreichte mit den Worten:Ich bin abge⸗ brannt und bin fünfundſiebzig Jahre, antwortete der König: So alt bin ich auch**), und als 1765 in Landeck ſich ein Schneider bei Überreichung einer Supplik auf ſeine Bekannt⸗ ſchaft berief, drehte er ſich weg:Was, ein Schneider!***) Das waren aber Ausnahmefälle, ſonſt wurden die Suppliken faſt immer angenommen. Auch von Landeshut reiſte er 1781 ab,nicht ohne mit Suppliken genügend verſorget zu ſein), und 1776 nahm er perſönlich eine ſolche von Daniel Klämbt an. ††) Wenn der König nach der Begrüßung und nach Erledigung der ihn zunächſt intereſſierenden Angelegenheiten ſich zur Tafel ſetzte, erlaubte er zuweilen, daß ſich in den Nebenzimmern Untertanen aufhielten, die ihn ſpeiſen ſehn wollten, ſo 1781 in Schmiedeberg, wo er ganz beſonders gut gelaunt war. ††) Zur Tafel ſelbſt wurden nur Adlige und Offiziere eingeladen, nur einmal, am 24. Auguſt 1764 in Landeshut, hatten die Vertreter der Kaufmannſchaft die Ehre, mit dazu gezogen zu werden,) zuweilen katholiſche Geiſtliche, für welche aber eine ſolche Einladung wohl ein Vergnügen zweifelhafter Art bedeutete, indem ſie die Koſten

*) Bei ſeiner Anweſenheit in Grünberg 16. Aug. 1772 überreichte ihm die polniſche Gräfin Bronikowski, deren Mann wegen Schulden beim Hofjuwelier Ephraim in Züllichau in Arreſt ſich befand, eine Bittſchrift. Da ſagte der König:Damit habe ich nichts zu tun, wer ſchuldig iſt, muß bezahlen, ließ aber doch die Supplik durch einen Haiducken an⸗ nehmen. M. R. III 24 a vol. V, Bl. 166.

*) M. R. 24a vol. V, Bl. 104 ff.

***) M. R. III 24 a vol. I, Bl. 41.

) M. R. III 24 a vol. III, Bl. 82 ff.

) St. A. 132a Dep. Landeshut Nr. 16 a, Bl. 2 ff.

†r†) vgl. S. 48.

) ohne indes als Gäſte daran teilzunehmen: der König unter⸗ hält ſich mit ihnen über Handelsangelegenheiten, während er ſpeiſt, da er ſich gleich nach ſeiner Ankunft zu Tiſch geſetzt hatte. M. R. III 24 a vol. I, Bl. 34. Auch am 19. Auguſt 1771 in Löwenberg ließ er nicht die Leute, die durch die Fenſter ſahen, während er bei Tiſch ſitzt, wegweiſen, ſonderndivertiret ſich ſehr darüber, ebenda Bl. 142.

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