gefragt, woher er ſeinen Ungarwein bezöge, und ſchlagfertig kam die Antwort:„Der Impoſt auf den ungariſchen Wein iſt zu groß und mein Beutel dazu zu klein.“ Da fing der König an zu lachen, ſchlug ſich auf die Backe und ſagte:„Meine Herren, da hab ichs weg, ſo kriegt man eins, ehe man ſich vermutet.“ Und als der Abt darüber in Beſtürzung geriet, tröſtete ihn der König freundlich:„Ich habe das meinige abgekriegt, es hat aber gar nichts zu ſagen, er iſt doch mein lieber Prälat.““*)— Freilich, es mag oft ſchwer für die Betroffenen geweſen ſein, die Sarkasmen des Königs mit Humor über ſich ergehen zu laſſen, namentlich wenn ſie nicht ſo witzig entgegnen konnten, wie der von Friedrich ge⸗ ſchätzte Dompropſt Baſtiani, der in ſolchem Falle einmal aus⸗ gerufen hat:„Allmächtiger Adler, decke mich mit deinen Flügeln, aber verſchone mich mit deinem Schnabel“, ſchließlich aber ſöhnte die Liebenswürdigkeit des Königs, der ſelbſt einmal die Unmöglichkeit, plötzliche Einfälle zu unter⸗ drücken, eingeſtanden hat,“*) mit ſeinen Spötteleien und Neckereien aus. Denn alle Zeitgenoſſen, die ihm perſönlich nahe gekommen ſind, ſtimmen darin überein, daß von ſei⸗ ner Unterhaltung ein geradezu hinreißender Zauber ausge⸗ gangen iſt. Am ſchönſten drückt es d'Alembert aus, wenn er den König bedauert,„der, in jeder Beziehung ſo groß und ſo liebenswürdig, inmitten ſeines Ruhmes das Unglück hat, allzu hoch über dem ganzen Reſt der Nation zu ſtehen und niemand zu haben, weder zur Hilfe bei ſeiner großen, unendlichen Arbeit, noch zur Erholung nach der Arbeit für die Konverſation.“***)
Die Reiſe von 1785 iſt die letzte des großen Königs geweſen. Schon 1784 fühlte er das Herannahen des Todes: „Die Kräfte ſind erſchöpft, es bleibt nur noch der gute Wille, und der wird nicht mehr lange vorhalten.“ Und als Hoym ihn 1785 bat, die Revue bei Breslau wegen der Ernte zu verſchieben, ſagte Friedrich:„Ach laß er mich, laß er mich,
*) Pfeifer, a. a. O. 184. Die Antwort des Abtes bezog ſich auf Friedrichs Zollpolitik..
**) Koſer II 642.
—) ebenda 345; angeſichts einer ſolchen Bemerkung bedauert man
unwillkürlich, daß der große König nicht mit dem großen Leſſing zu⸗ ſammen gekommen iſt— an ihm hätte er gewiß ſeine helle Freude gehabt.
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