Aufsatz 
Festschrift des Großherzogl. Gymnasiums in Karlsruhe zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im September 1906
Entstehung
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an

Dienstag früh!)(4. Mai) des Printzen Eugenij Durchleucht, in begleitung der Herrn Herzog von Würtemberg Und Von Bevern anhero Kommen Und in dem Schloß abgestiegen Und haben mich gefraget ob ich nichts zu Mittag zu eßen hette, weilen Ihre Kuchin(?) villeicht nicht so balden anlangen Könnte, Denen dann das wenige so ich vor Mich Kochen laßen offerirt womit Sie auch vorlieb genommen Und haben in sonderheit sich des Herrn Printzen Eugenij Durchl. an der Tafel ganz aufgemuntert erzeigt, auch die gute einrichtung des gartens?) angerühmt,dabey aber bedauert daß Sie da von nicht profitieren Könnten, da Sie sich sonsten recht darauf gefreuet hetten Umb dan und wan Morgens sowohl da- rinnen als im Fasanengarten eine Promenade machen zu Können, wie sie dann auch die flor nicht gesehen haben, welche doch ohngemein schön gewesen. Noch an der Tafel erhielten Sie Nachricht daß die Franzosen bey Schellbronn die Linie attaquiert Und im würcklich herein march begriffen seyen, worauf Sie geantwortet, last Sie nur Kommen, Sie haben sich aber bald darauf nach eingenommener Mahlzeit mit hochgedachten beeden herrn herzogen in die chaise gesetzet und seynd gegen Mühlberg Und so dann gegen Scheibenhard gefahren und haben die Linie besehen, denen sie aber gleich nicht gefallen sondern die da eingestandenen Truppen beordert sich von dar weg und in das lager bey Waghäusel zu ziehen, welches denn so balden und zwar Von einigen regts in specie dem Württemb. und Rodtischen Mit solcher praecipitanz geschehen daß das erstere den grösesten Teil seiner Zelten und das andere Vieles von dem gewöhr, die Grenadier Kappen und anderes zurückgelassen, die Kayserliche Infanterie war auch würcklich im An march gegen die Linie erhielte aber contre ordre sich wid. zu retiriren Und in das alte Lager einzu- rücken, bey Scheibenhard kam wider eine ordonantz Und brachte Nachricht daß die Franzosen so bey Schellbronn eingebrochen schon bey Ettlingen ständen worauf Sie auch dero rückweeg wider genommen haben und geraden weegs Nach der Armee gegangen seynd. Mittlenweil seynd die Teutsche Trouppen aufgebrochen Und ist gleichwolen dem Prinz Carl August nachgerühmt worden, daß er sich auf seinem posten bey Ettlingenweyer recht wohl conduitiret habe, Mein bruder ist in seiner redoute stehen blieben, weilen vergeßen worden Ihme die retirade anzuzeigen, der sich auch gegen die Franzosen tapfer defendiret Und sagte mir ein Capitain von Royal Baviere) daß Er Ihn attaquiret auch gar wohl von ferne gekennet, Und habe Er Ihm Von seinem Corps gar 70 Man tod ge- schoßen, Er habe geglaubt Ihne würcklich gefangen zu haben und wiße nicht wie es gegangen haben müße, daß Er mit seinen Leuten wider echappiret seye, Wie dann selbige Nacht(4. auf 5. Mai) Mein Bruder Umb Mitter Nacht hier durch passiret ist, in d. Schwane ein glas wein getrunken Und seine Leute glücklich zur Armee gebracht hat...... selbige Nacht ware eine entsetzliche Confusion so wohl wegen dem Abmarsch deren Trouppes selbsten als abführung der bagage welches bis Mittwoch(5. Mai) früh gewähret Und ist die völlige Cavallerie hier durch passiret Und in völligem trappe und galoppe davon geritten, Und wan die Franzosen nur gleich etliche 100. Mann nachgeschicket hätten,

1) Nach Wielandt Dienstag früh um 9 Uhr.

2) Über Karl Wilhelms Leidenschaft für Blumen, besonders für Tulpen, ist das Nähere zu lesen bei Weech, S. 882.

3) Offenbar ein Deutscher. Royal-Baviere gehörte zu den 5 Regimentern der französischen Armee, die aus Deutschen gebildet waren. Es waren dies außer Royal-Baviere die Reg. Saxe, La Marck, Alsace und Appelgrün, zusammen etwa 10000 Mann.