Aufsatz 
Festschrift des Großherzogl. Gymnasiums in Karlsruhe zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im September 1906
Entstehung
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Im Rheintal zielten die Anstrengungen der Franzosen lediglich daraufhin, den Gegner zu beschäftigen und in den Linien festzuhalten.Über die Vorgänge auf der Strecke JohannesbrückeScheibenhardt weiß Oberst von Vasold, der hier unter dem baden- durlachischen Prinzen Carl August!) kommandierte, zu erzählen:Der Prinz befunde sich beständig auff der Batterie(Hornwerk an der Johannesbrücke) und allen orthen wo er nöthig, und würde Er gewiß bey der attaque Ehre erworben haben. Allein nachdeme wir glaubten, daß die attaque geschehen solle, zogen sich die Franzosen wieder zurück und zwar das erstemahl. Indeme sich nun die Franzosen zurückzogen, wurde der H. von Schilling als dermaliger ‚von Hertzog von Wurtenberg per post an den Schantzen geschickt, welcher Dann die erfreuliche nachricht brachte, daß der Pxz: Eugenius, Hertzog von, Herzog von Bevern in Carlsruhe angelangt, der Sucurs von Cavallerie und Infanterie. würde auf dem Fuße folgen, wir solten unß wohl halten, da dann alles in vollen eiffer begriefen war; der feindt ließe sich abermahls in völliger ord- nung sehen, nach, aber derselbe biß an die inundation, so gegen. Schaibenhardt war, Kham, blieben dieselben ein Klein wenig stehen, alß dann marchierten dieselbe wiede- rumb zurück, daß wir weder mit Gartatchen, noch stücken etwas thun Konnten: Vorhero sindt von unsere Kartetschen etl: wenige mann blieben nach der Franzosen außag, indem wegen des waldts wir solches nicht in acht nehmen Können. Wie wir unß nun die beste hoffnung machten, so Kahm die betrübte nachricht, daß der feindt oben auf den Spessart, wo die Kaißerl. Würtenberg. dragoner, ein Batt: von Roth, eingetrungen und posto gefaßt ih 4 Nach Verfließung einer stundt bekahm der Pz. ordre die Posten an sich zu ziehen und nach Bulach zu ziehen; Ihro Fstl. Dhl, der Pr: stellten die ordre alle Ardollerie und munition abzuführen, welches dann auch mit größter und bester ‚ordre geschehen. alß dann wurde dann die Battallion zur retirade, die dann mit hinterlaßung einiger Commendierten, sich auß dem Hornwerg heraußzogn, und alß die Commandierten zurückzogen, movierten sich die gegen unß postierten ein Klein wenig, ließen unß aber ohne unß anzufechten marchieren...... Bey Bulach und Beyertheim entstunde der Allarm, daß der Feindt mit Cavallerie und. Infanterie unß verfolgte, wir postierten unß alda mit der Schwäbischen und Fränkischen Infanterie und auff dem Beierth. feldt die zum Sucurs angekommenen Kaiß. Cavallerie. AIß aber abend wurde marchierten wir über Carlsruh nach Durlach, den andern Tag auf bruchsahl, alwo wir einen tag halt gemacht....*

Diese Schilderung erfährt wertvolle Ergänzungen durch den Bericht, welchen der Reisemarschall Schott von Schottenstein?) dem Markgrafen Carl Wilhelm, der sich während ‚des Krieges in Basel aufhielt, über die Ereignisse jener Tage erstattete. Die wichtigsten Stellen des Berichtes, der schon deswegen von Interesse ist, weil sein Verfasser in jenen kritischen Stunden zu dem Prinzen Eugen in persönlichen Verkehr trat, lauten:Man hat zwar von dem Übergang der Frantzosen bei Keel und Fortlouis bald Nachricht gehabt dennoch aber sich nicht eingebildet daß dieselben die Linien so bald attaquieren werden. Nachdem aber gleichwolen dieselbe sich von Tag zu Tag Mehrers genähert so seynd am

1) Sohn des Markgrafen Christoph, dritten Sohnes des Markgrafen Friedrich Magnus, wurde am 14. Nov. 1712 geboren und schon 1732 vom schwäbischen Kreis zum Obersten ernannt. Weech, 8. 376.

2) Mit Schottensteins Darstellung deckt sich im wesentlichen der kürzere Bericht des Ober- amtsverwesers Wielandt.