Aufsatz 
Festschrift des Großherzogl. Gymnasiums in Karlsruhe zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im September 1906
Entstehung
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Von diesem Knotenpunkte gehen verschiedene Wege strahlenförmig nach der Rheinstraße. Der wichtigste führt über Mörsch nach dem nur etwa 12 km entfernten Neuburgweier, wo sich die Franzosen schon im vergangenen Kriege eine Ausfallpforte aus den Lauterburger Linien geschaffen hatten,

Die Tenaille der ersten Bauperiode mußte einem stattlichen Hornwerk!) Platz machen. Riecke gibt seinen Grundriß nur annähernd richtig an, während der österreichische Plan schon mehr mit den noch in großem Umfang und gewaltiger Stärke erhaltenen äußeren Wallanlagen übereinstimmt, Die Reste beginnen im Wald südwestlich der Brücke und dehnen sich südlich der Sandgrube in schwalbenschwanzförmigem Grundriß bis zur Straßen- gabel aus.2)'Merkwürdigerweise sind die Reste des Hornwerkes, wie mancher anderer noch erhaltenen Anlagen aus der Zeit des polnischen Thronfolgekrieges, auf den neueren Karten nicht eingezeichnet. Und doch begreift man heute beim Anblick des allerdings manchmal dicht überwachsenen tiefen Grabens und des hohen Walles, dessen äußere Böschung da und dort noch die Höhe von 17 m erreicht, die Worte des Obersten von Vasold, daß derposten im Steinern brückle so weit Kominen war, daß wir auß beßern als in Kehl(Spätjahr 1733) hetten defendieren Können. Im Innern des Hornwerkes befand sich zum unmittelbaren Schutze der Brücke und der wertvollen Hauptschleuse (5. Schleuse) eine lünettenartige Schanze.?)

Diese Schleuse ermöglichte die Überschwemmung. des ganzen vom Malscher Land- graben, Waldgraben, Beierbach und andern Rinnsalen durchflossenen Bruchlandes bis hinauf nach Malsch.Die inundation war in solchem standt, daß von Malsch biß nach Mühlburg, außer von Bulach aus: alwegs weniges hatt noch gefehlet mehr, als Manf) tief Konte unter waßer gesetzet, mithin die Linie in einem guten defensions standt stünde.(v. Vasold.)

Wahrscheinlich hat man nur die südöstlich der Brücke auf etwas erhöhtem Gelände liegenden Anlagen der alten Linie ausgebaut. Im übrigen vertraute man der Unüber- schreitbarkeit des Bruchgebietes.

Zwischen seinem Ostrande, den Vorhöhen der Schwarzwaldberge, und dem Albtal lag der zweite Abschnitt der Ettlinger Linien. Doch setzte sich sein linker Flügel nicht einfach in der Verlängerungslinie des rechten. Verteidigungsabschnittes, etwa südwestlich von Ettlingenweier fort, sondern er umschloß hakenförmig zurückbiegend auch die west- lichen, ja sogar die nordwestlichen Höhen von Ettlingen. Schon am Südhang der ehe- mals äußerst sumpfigen Niederung des sich aus dem Horbenlochwald bei Wolfartsweier heranwindenden Seegrabens befanden sich etwas östlich des Elektrizitätswerkes Ver- schanzungen, die Front nach Rüppurr nahmen.)"Westlich davon krönte eine weitere Schanzengruppe die von Seegraben und Alb umflossene Höhennase. Der österreichische

1) Ein Hornwerk besteht aus zwei Halbbastionen, die durch einen Mittelwall mit einander ver-

bunden sind. Nr

2) Die nördlichen Teile des Hornwerkes fielen offenbar der Sandgrube zum Opfer.

3) Zu berücksichtigen ist, daß die heute größtenteils in dichtem Walde versteckten Werke ehedem teils infolge anders gearteter Beforstungsverhältnisse, teils durch Abholzung des Waldes (siehe Vasold$. 45), wenn auch keinen sonderlich freien Ausblick ins Vorgelände, so doch für die da- maligen Waffen ausreichendes Schußfeld hatten.

4) Noch heute fällen an den Höhen südlich des Seegrabens steile Böschungen, die Nachhilfe durch Menschenhand vermuten lassen, auf.