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Die Leistungen und Strapazen, die der Landbevölkerung durch den Linienbau zu- gemutet wurden, erhielten dadurch eine unangenehme Steigerung, daß die Leute„in der unbequemsten Jahres-Zeit mit dem grösten Ungemach und bey mehrentheils nassen Wetter, biß an das Knie-in Morast und Wasser daran arbeiten“ mußten. Außer der Arbeit an den Schanzen wurde ihr auch noch die Stellung der durch den Linienbau, durch Beischaffung von Proviant und Fourage, Transport von Kranken und Bagage notwendigen Fuhren aufgebürdet. Baden-Baden allein leistete 21844 Fuhren. Dazu gesellten sich noch die Kosten, welche der Unterhalt der Truppen in den Quartieren verursachte, die durch das ,„crepirte und zu Schanden geführte Zug-Vieh“ hervorgerufenen Verluste und„das frequente Botten-Lauffen, welches in manchem Dorff wohl 3 mahl in einem Tag an einen Mann gekommen“. Wie tief übrigens die außerordentliche Heranziehung des Volkes zu den Lasten des Krieges in die Verhältnisse des bürgerlichen Lebens eingriff, wird in drastischer Weise durch die des Humors nicht entbehrende Tatsache illustriert, daß der Amtsvorstand von Pforzheim am 30. Januar 1734 seinem Fürsten in beweglichen Worten über einen durch die Heranziehung zu den Frohnden ausgebrochenen Hebammenstreik berichtete und um Verhaltungsmaßregeln bat.!)
Von dem Schaden, den schließlich die Linie selbst durch die Überschwemmung und die Verwüstung von Wiesen, Gärten, Äckern und Waldungen anrichtete, wird noch an späterer Stelle die Rede sein.
Die neuen Strecken, an denen vom 26. Dezember 1733 bis zur Einnahme durch die Franzosen am 4. Mai 1734 ununterbrochen gearbeitet wurde, waren in Bezug auf Bauweise und Material so wenig einheitlich wie die alten. Neben dem Verhau finden wir auch hier Erdwerke verschiedenster Form, isolierte und zusammenhängende Schanzen (Redans, Tenaillen), dann ein Hornwerk, vier- oder fünfseitige Redouten.?2) Eine hervor- ragende Verstärkung der Front bedeutete die gründliche Ausnützung der Wasserläufe, die„Inundation“. Das Profil der Werke war, wie man sich da und dort durch Augenschein im Gelände, z. B. an der Johannesbrücke, überzeugen kann, äußerst stark.3) Auffallend groß war der Verbrauch von Eichen- und Forlenholz. Der Wall wurde stellenweise mit 14 Fuß langen Eichbäumen verkleidet, der Graben mit Faschinen gefüttert. Die Brust- wehrböschung war mit Sturmpfählen gespickt und im Graben saßen Palissaden. Unterm 10. Mai 1734 berichtet der an der Demolierungsarbeit die Aufsicht führende baden-badische Inspektor Kugler,„daß selbiges(Eichenholz) aus den Gräben zu ziehen Lange Zeit und Große arbeith erforderte“, Auch die Schleusenanlagen, Bettungen u. s. w. verschlangen
1) Der Beamte klagt:„Ew. Hochfürstl. Durchl. finden wir Uns gemüßiget gehorsambst Vor- zutragen, daß wir von denen sämptl. Hebammen des Ober- und-Specialat Amptes Pfortzheim und Stein fast tägl. mit denen harten Beschwerungen und Klagen angeloffen werden, daß man, ohngeachtet der in der Landes- und Hebammen Ordnung Ihnen von Ew. Hchfrstl. Dehlt. und dero glorwürdigsten Vorfahren gdst. ertheylten Freyheit-Wart-Geldt und anderen immunitaeten Sie auch Frohnen und Schantzen gleich andern Einwohnern ziehn und im geringsten nicht verschonet, dahero, dann die meinste Hebammen ihr höchst verantwortl. und Beschwerliche Dienste abgeboten, einige gar zu Keiner ge- bährenden Fraue mehr gehen wollen....“
2) Riecke(Plan II) macht keinen zeichnerischen Unterschied zwischen Erdwerken und Verhau.
3) Zahlen und Maße werden in den Einzelbetrachtungen geboten werden.


