Aufsatz 
Festschrift des Großherzogl. Gymnasiums in Karlsruhe zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im September 1906
Entstehung
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ihrer vornehmlich, um den Soldaten das Ausreissen zu wehren. Die Palissaden saßen im Graben(vgl. 8. 34.), auch, wie Plan I an der Berg- und Rheinstraße erkennen läßt, in mehreren Reihen vor dem Graben. Diese Werke waren auch zur Aufnahme von Artillerie eingerichtet. In den erhaltenen Schanzen sind Geschützstände mit rampen- förmigen Auffahrten für 1,2, 3, an einer Stelle sogar für 8 Geschütze vorhanden. Ebenso läßt sich auf manchen Strecken an der innern Wallböschung ein Bankett, welches der Infanterie das Anschlagen auf den Wall erleichtern sollte, erkennen. Faschinen, Schanz- körbe, Sandsäcke, auch Würste genannt, wurden zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit in jener Zeit massenhaft verwendet.

Im Gebirge zwischen der Eyach und Spessart war die Linie lediglich ein durch Blockhäuser verstärkter Waldverhau,gefel oderverhackh genannt. Im oberen Hardt- wald bestand sie aus einer offenbar nicht bedeutenden, als Redanlinie angelegten Brust- wehr mit davorliegendem Verhau. Die Franzosen fanden....le centre couvert par un bois, dans lequel les ennemis avaient fait un abatis(Verhau) large de trois cents pas et soutenu dans toute sa longeur par un parapet.(Pelet, VIII, S. 316.) Den Rhein hin- unter verwendete man größtenteils die Dämme, denen man durch Aufsetzen von Faschinen und Würsten eine Brustwehr gab. Hinter den Verhaulinien, zum Teil im Verhau selbst, waren Blockhäuser oder Redouten angelegt.

Vorgeschobene Posten besaß die Linie im Albtal in den befestigtenVorposten Herrenalb, Frauenalb und Marxzell, im Rheintal in der zwischen Ettlingenweier und Bruch- hausen liegenden Ziegelei. Die oben auf dem Spessart über die Linie vorgeschobene fünfseitige Redoute verdankt ihre Entstehung dem polnischen Thronfolgekrieg.

Zu Zwecken der Verteidigung und Verwaltung zerlegte man die ganze Linie in zwei Inspektionsabschnitte, die sich an der Stelle, wo der von Schluttenbach herunter- kommende Beierbach aus dem Gebirge heraustritt, trafen und von hier aus, wie Plan I teilweise erkennen läßt, ihre bedeutendsten Punkte(Redouten, Blockhäuser, besonders wichtige Redans), in entgegengesetzer Richtung numerierten. Der Ostabschnitt, dessen Inspektion 1708 dem Obersten Schilling von Canstatt oblag, umfaßte 29 Nummern, der Westabschnitt, der dem Obersten von Ilten unterstand, zählte bis zum Hochufer 14 Nummern, Die wichtigsten Punkte am Rhein trugen keine Nummern, sie wurden nach den nächst- gelegenen Ortschaften benannt, Die Berichte beider Offiziere dienen teilweise als Grund- lage für die folgenden Einzelbetrachtungen.

Westlich der Eyach,!) die Eyachmühle noch einschließend, setzte der östliche Flügel der Linie die von Süden herunterkommende mittlere Schwarzwaldlinie fort. Nachdem sie das in die Eyach sich ergießende Mannabächlein unweit seiner Mündung überschritten, folgte sie der nördlichen Talwand gedachten Wassers, umzog dann mehr nach Westen Front machend Ort und Höhe Dobel, um etwa an der Stelle, wo der Dobelbronnen in den Dobelbach mündet, letzteren zu überschreiten, den nördlichen Steilhang dieses Tälchens zu gewinnen und nach Umspannung der bastionartig vorspringenden Bergnase von Rothen- sohl den Anschluß an das Albtal zu erreichen. Hinter diesem im ganzen nach Nord- westen strebenden Teil waren die Werke Nr. 2923 verteilt.

1) Es empfiehlt sich, bei der Lektüre Blatt Ider Badischen und Blatt II der Württembergischen Schwarzwaldkarte zu benützen. Vortreffliich ist die Lorenzsche Karte von Herrenalb und Umgebung.