Aufsatz 
Festschrift des Großherzogl. Gymnasiums in Karlsruhe zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im September 1906
Entstehung
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10.5

konnten für sie nicht günstiger liegen: der gefürchtete Ludwig Wilhelm war tot, sein Nachfolger unfähig ein Heer, geschweige denn das deutsche Reichsheer jener Tage zum Siege zu führen. Die Führung der französischen Rheinarmee übernahm Marschall Villars, der alte Gegner des verstorbenen Markgrafen, Daß der Bühl-Stollhofener Linie in der Front und im Gebirge nicht gut beizukommen war, wußte Villars nur zu genau aus eigener Erfahrung. Sie sollte durch einen sorgsam vorbereiteten und geheim gehaltenen Frontal- und Rückenangriff genommen werden, Am 22. und 23. Mai erfolgte der Angriff von drei Kolonnen, zusammen 45.000 Mann, über Kehl, Fort Louis und das zwischen Maximiliansau und Lauterburg gelegene Neuburg. Die verzettelten Reichstruppen wurden geworfen, das Lieblingswerk Ludwig Wilhelms, die Bühl-Stollhofener Linie, 170 Geschütze, große Vorräte an Proviant und Munition sowie eine Schiffbrücke fielen in die Hände des Siegers, der sofort durch einige tausend zusammengetriebene Bauern die gefürchteten Werke ein- werfen ließ. Ohne lange zu rasten, trieb Villars zum Teil in Gewaltmärschen den Feind über Rastatt, Durlach, Ettlingen, Pforzheim, Vaihingen, Cannstatt bis Schorndorf, das sich am 15. Juni ergab, vor sich her. Von Heidelberg bis Ulm wurde das deutsche Land nun in einer Weise gebrandschatzt, daß es sogar Ludwig XIV. für geboten er- achtete, seinem Marschall Mäßigung anzuraten. Franken und Schwaben allein. zahlten 9 Millionen Gulden Kontribution. Die Reichsarmee, tief ins Remstal hineingedrängt, entzog. sich in großem Bogen über Ellwangen, Crailsheim nach Heilbronn marschierend der Verfolgung. Als nun auch unter dem kaiserlichen Feldmarschall Heister Verstärkungen eintrafen, rückte sie über Sinsheim und Langenbrücken ins Rheintal vor und erschien am 2. Juli unter den Kanonen von Philippsburg. Damit waren die rückwärtigen Verbindungen der immer noch in Schwaben hausenden Franzosen, zunächst die Brücke bei Fort Louis bedroht. In Gewaltmärschen, wie er gekommen, eilte Villars in das Rheintal zurück, Aın 4, Juli stand er bei Durlach. Nur ganz allmählich gelang es der erst im Verlauf des Feldzuges operationsfähig gewordenen und nunmehr auch numerisch stärkeren Reichs- armee, den Feind zurückzudrängen. Noch am 15. August stand Villars zwischen Gottesaue und dem Gebirge den bei Grötzingen haltenden Deutschen gegenüber. Erst am 28. und 29. August ging er hinter den Murgabschnitt zurück, nicht ohne bei Offenburg ein Korps unter Generalleutnant Vivans zur Sicherung seines Rückens und zur Aussaugung des zwischen dem Rheintal und dem Bodensee liegenden Landes aufzustellen. Bayreuth, weit entfernt, dem weichenden Gegner in energischer Verfolgung an der Klinge zu bleiben, trug sich sogar mit dem Gedanken, bei Durlach eine Linie anzulegen. Am 30. August raffte er sich noch zu einem Vormarsch nach Ettlingen auf, legte aber dann am 15. Sep- tember das Kommando nieder, das nun auf den Kurfürsten Ernst Georg von Hannover, den späteren König von Großbritannien, überging. Wiewohl von der redlichsten Absicht erfüllt, in die deutsche Kriegführung mehr Schwung zu bringen, gab er doch schon Ende September angesichts des Mangels an Bespannungen, Transportmitteln usw. den Gedanken an offensive Unternehmungen größeren Stiles für dieses Jahr wenigstens auf, Statt dessen ließ er zum Schutze des immer noch von Villars bedrohten Süddeutschlands als Ersatz für die vernichtete BühlStollhofener Linie eine neue von Ettlingenweier quer durch die Rheinebene hinüber nach dem Hochufer südlich von Daxlanden führende Linie ab- stecken, die einerseits im Gebirge vermittelst eines gewaltigen Verhaues den Anschluß an die bei der Eyachmühle endende Schwarzwaldlinie gewann, andrerseits durch Befestigungen