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und für genügenden Ersatz und Unterhalt der schwer zu ernährenden Heere zu sorgen. Wir sehen, daß die beiderseitigen Armeen sich meist auf Festungen oder leicht zu ver- teidigende Geländeabschnitte stützten, an denen sie oft geradezu klebten. Verschiedene Umstände, unwegsame Gebirge, Wasserläufe mit sumpfigen Rändern, dichte moorige Waldungen, mangelhaftes Straßennetz und verhältnismäßig hohe Ausbildung von Führer und Truppe im Pionierdienst begünstigten die Anlage von zusammenhängenden Be- festigungen, die man Linien nannte.
Von ihrem militärischen Wert, über welchen man schon in der Zeit ihrer Blüte geteilter Ansicht war, soll nicht ausführlich die Rede sein. Es sei hier nur bemerkt, daß die Linien in strategischer und taktischer Hinsicht in vielen Fällen den in sie gesetzten Erwartungen: entsprachen, nur mußten sie eben von hinreichenden Kräften und tüchtigen Führern verteidigt werden. Daran fehlte es freilich sehr oft, namentlich auf deutscher Seite. Markgraf Ludwig Wilhelm verteidigte mit dem zweifelhaften Kriegsinstrument der Reichsarmee seine Bühl-Stollhofener Linie fünf Jahre gegen die übermächtigen Fran- zosen, sogar gegen einen Villars.
Besonders fruchtbar an diesen fortifikatorischen Gebilden waren die Niederlande, Nordfrankreich und Südwestdeutschland.
Am Oberrhein wurden im Verlauf des spanischen Erbfolgekrieges hinter den schützenden Wasserläufen des Speierbaches, der Queich, der Lauter(Weißenburger Linie) und der Moder(Hagenauer Linie) Linien errichtet. Auf dem rechten Rheinufer entstanden Verteidigungsanlagen hinter der Kinzig, die Bühl-Stollhöfener und die Ettlinger Linie, auch„untere Linie“ genannt. Letztere Bezeichnung wird verständlich, wenn man berück- sichtigt, daß sich auch längs des Höhenrückens fast des ganzen Schwarzwaldes eine im allgemeinen aus Verhau und Blockhäusern bestehende Linie hinschlängelte, die sich in die Abschnitte Säckingen-—-Feldberg(obere Linie) und Feldberg-Dobel(mittlere Linie) gliederte. An diese„Schwarzwaldlinie“ hing sich nach dem Falle der für uneinnehmbar gehaltenen Bühl—Stollhofener Linie die von der Eyachmühle über Dobel, Spessart, Ett- lingenweier, Daxlanden nach der Pfinzmündung südlich der Festung Philippsburg laufende „untere Linie“, deren wichtigsten und stärksten Teil die vom Albtal bis zum Rhein- hochgestade sich erstreckenden Anlagen, im gewöhnlichen Sprachgebrauch die„Ettlinger Linie“ genannt, darstellen.
Am 4. Januar. 1707 war der ruhmbedeckte Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, der Oberbefehlshaber der deutschen Reichsarmee, im Alter von zweiundfünfzig Jahren in seinem Schlosse zu Rastatt gestorben. Zu seinem Nachfolger ernannte der Kaiser am 25. Januar den Markgrafen Christian Ernst von Bayreuth, für den Feldmarschall Thüngen interimistisch das Kommando führte. Ende April begann der Markgraf mit der Zusammenziehung der Reichstruppen, es gelang ihm. aber bei der Saumseligkeit der meisten Reichsstände nicht, in der Zeit der Entscheidung(Mai), abgesehen von den Garnisonen von Philippsburg und Landau, mehr als 16000 Gewehre und 4000 Säbel in der mehr als 70 Kilometer langen Stellung Bühl-- Stollhofen—Philippsburg zu vereinigen. Im schroffsten Gegensatz dazu stand die Rührigkeit und die Tatkraft, welche die Franzosen gerade in diesem Jahre am Rhein entwickelten. Waren sie durch die harten Schläge von Ramillies und Turin in den Niederlanden und Italien in die Defensive gedrängt worden, so sollte jetzt die Scharte durch einen energisch geführten Feldzug am Rhein ausgewetzt werden.‘ Die Verhältnisse


