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Wort oder Bild an Beſtimmtheit übertrifft. Hat er aus Thi⸗ bauts Traum u. ſ. w. die Vermuthung geſchöpft, daß die Jung⸗ frau ſich mit Rettungsgedanken des Vaterlandes trage, ſo macht ihm jetzt ſchon der bloße Anblick des Helmes, mehr noch Johannas Aneignung deſſelben, dieſe Vermuthung auf überraſchende Weiſe zur Wahrſcheinlichkeit, und das Geſpräch, welches an den Helm ſich ſchließt, erhebt durch alles, was Johanna im Laufe deſſelben thut oder ſagt, die Wahrſcheinlichkeit je länger je mehr zur Gewisheit. Um ſo empfindlicher aber fühlt ſich der Zuhörer durch das Zigeunerweib mit ſeinem unheimlichen Gebaren berührt. Von neuem machen ſich bei ihm Thibauts Beſorgriſſe, daß ſeine Tochter mit Zauberkünſten umgehe, und zwar diesmal mit gedoppelter Wucht geltend, weil ſie durch die greifbare That⸗ ſache des Helmes unterſtützt werden, und es treten ihm dieſelben in eben dem Maße erſchreckender vor die Augen, in welchem er die Jungfrau jetzt gewiſſer, als zuvor, von politiſchen Ideen beſeelt glaubt. Wie? ſollte Johanna den göttlichen Zweck etwa gar mit ſataniſchen Mitteln erſtreben? ſollte ſie, um das Vaterland für jeden Preis, ſelbſt mit dem Verluſt ihrer Seele zu befreien, ſich in den Dienſt des Teufels begeben und dieſer durch eine ſeiner Creaturen ihr den Helm zugeführt haben? ¹) Zu dieſer erſchüt⸗ ternden Frage ſpitzt ſich der Zweifel zu. Doch nur kurze Zeit hält ſich derſelbe auf ſeinem Gipfel. Denn je deutlicher ſich wäh⸗ rend der Unterredung im Gegenſatz zu der Bosheit und dem Unrecht des Feindes die Gerechtigkeit der franzöſiſchen Sache herausſtellt, je ſtärker der Abſcheu vor der Grauſamkeit und Roheit der Gegner die göttliche Herrlichkeit patriotiſcher Aufopfe⸗ rung in's Licht ſetzt, deſto mehr verſchwindet die Furcht, daß die Jungfrau von dämoniſchen Gewalten ſtatt von göttlichen Mächten
¹) Ich erinnere nochmals daran, daß Satan und ſein Reich für die Dichtung zweifelloſe Thatſachen ſind.


