II. Form. Inhalt und Bedeutung der Matrikel.
Die Matricula etc. hat Folioformat, ist in Leder gebunden und auf Papier geschrieben. Sie trägt das Repositurzeichen Rep. Z., V. Abt., 26 r. Hanau, Ord. No. 7. Sie hat einschließlich Titelblatt 538 meist eng geschriebene Seiten. Sie ist fast durchgehend in lateinischer Sprache verfaßt, nur ab und zu findet sich einzelnes deutsch geschrieben, meist Namen, deren Form der Latinisierung etwas Sprödigkeit entgegensetzten. Ab und zu ist auch wohl einmal eine geschichtliche Bemerkung deutsch am Rande zugefügt. Die Schrift rührt, wie das in der Natur der Sache liegt, von verschiedenen Händen her. Sie ist in einzelnen Partien von großer Schönheit und Zierlichkeit, in vielen Teilen aber ist sie nachlässig und sehr schwer zu entziffern, besonders da, wo die Tinte infolge der langen Zeit verblabt ist.
Die Orthographie, auch die der Namen, zeigt keinen festen Halt. Derselbe Name ist bald 80, bald so geschrieben, besonders Zischlaute(S und sch) und Diphthonge wie eu und ei werden oft in demselben Namen durcheinander geworfen. Auch bei der Latinisierung der Namen ist keine Gleichmäbßigkeit zu finden, z. B. stehen Boehmius und Bohemus für Böhm. Es ist bei den unten mitgeteilten Proben aus der Matrikel(die ersten und die letzten Seiten des Buches für die Namen überall die Schreibweise beibehalten, wie sie sich an der petreffenden Stelle findet. In hetreff der großen und kleinen Anfangsbuchstaben zeigen sich viele Schwankungen. Es sind, außer bei Titeln, bei den Proben die kleinen Anfangsbuchstaben gewählt.
Den breitesten Raum nehmen die Namen der Schüler ein. Diese Namen, das Alter, der Stand des Vaters, der Geburtsort u. ä. sind jedoch nicht in Kolumnen mitgeteilt, sondern meist sind die Angaben zu einem kurzen Satze verbunden. Es ist eine nicht ganz leichte und von mir vorläufig unterlassene Aufgabe, die Zahl der in der Matrikel angeführten Schüler genau festzustellen. Wenn eine von dem Rektor des Jahres 1736 eingetragene Notiz zuverlässig ist, so sind in der Zeit vom 18. August 1680, wo die Aula eingeweiht wurde, bis zum Jahre 1736 in die Matrikel(hier Album genannt) eingetragen worden 1790 Schüler discipuli, d. i. Besucher der Lateinklassen), aus dieser Zahl zur Universität(ad lectiones publicas) entlassen 410 Commilitonen. Die Schwierigkeit der Zählung rührt zumeist daher, daß jeder Aufgenommene nicht nur einmal, am Tage seines Eintritts in die Anstalt, aufgeführt wird, sondern daß von Jahr zu Jahr auch sämtliche Versetzungen von Schülern in die nächst höhere Klasse und ebenso die Entlassung aus der obersten Klasse zur Universität(ad lectiones publicas promoti) genau angeführt sind, so daß derselbe Schüler bei seinem Eintritt in die unterste, fünfte Klasse und dann unter Umständen noch fünfmal genannt wird. Es


