Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Hanau, vordem "Hohe Landesschule". Festschrift zur Gedenkfeier des 300jährigen Bestehens der Anstalt. 1607-1907
Entstehung
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wickelung durch die Stürme des 30jährigen Kriegs, die wiederholten feindlichen Besetzungen und Beunruhigungen vielfach gehemmt und gestört worden ist.*)

Die Nachrichten nun über das paedagogium von dem Jahre 1607 bis zum Jahre 1640. ja bis 1648 sind, soweit sie sich bei den Akten der Anstalt finden, ziemlich dürftis. Ieh will hier einiges, was von Interesse sein dürfte und von Piderit noch niecht erwähnt ist, mitteilen.

Uber die näheren Umstände, unter denen Philipp Ludwig II. nach langem Zögern sich zum Erlaß der Subsidienordnung bestimmen ließ, also den ersten entscheidenden Sehritt tat, gibt Bericht ein ausführliches Schreiben Sturios an jenen vom 25. Januar 1607. Danach war der Rektor der Lateinschule Rudolf Lavater, in dieser Stellung Nachfolger des Rektors Holz, vom Landgrafen Moritz von Hessen als Professor der Sphaerica und Arithmetica nach Marburg berufen worden und machte sein Verbleiben in Hanau davon abhängig., daß man endlich den lang gehegten Plan, die Schule zu Hanau umzugestalten, durchführe.(Rep. A., 1,37 26.) Schon am 5. Februar 1607 er- folgte darauf von Windecken aus der Erlaß der Subsidienordnung.

Es folgen dann zeitlich die mehrere Jahre bis 1612 fortgesetzten Verhandlungen über den Bau.

Woher Piderit seine Angaben(I. 20) über die Erweiterung der Anstalt, über die Lehrpläne, über die am 3. Nov. 1609 stattgehabte Prüfung der Schüler durch einige Heidelberger Professoren genommen hat, ist in seiner Schrift nicht angegeben und von mir bis dahin nicht gefunden. Ich habe freilich die Akten z. T. nur flüchtig durchsehen können.

Etwas reichlicher werden die Quellen um das Jahr 1623, als man die erste Universität(ich nenne sie so im Gegensatz zu der 1665 inaugurierten) eröffnete. Wenn die Angaben in dem Rektoren- verzeichnis am Ende der Matrikel, die der spätere Rektor Abraham Stang aufgestellt hat, richtig sind, so müßte zwischen das Rektorat des Rudolf Lavater 1607 und das des Joh. Phil. Pareus, der mit seinem Rektorat der Universität auch das des Paedagogiums Anfang Januar 1623 übernahm, das Rektorat des Dalthenius und des Walther Neuchenius(beide Namen sind nicht ganz sicher) fallen. Von weiteren Lehrern aus 1623 wird uns nur noch der Conrektor Rein(hard) Hermann (s. u.) bekannt, dem dieses Bekanntwerden freilich nicht zu besonderer Ehre gereicht. Pareus muß bei der ersten Revision des Paedagogiums allerhand Mängel bemerkt und über diese berichtet und um Abhülfe gebeten haben, worauf das Consistorium ihm am 3. März 1623 etwa folgendes erwidert: (Der Bogen ist lose und nicht paginiert erhalten in Rep. A., 1, 37.)

1. Es soll eine Matrikel oder Buch angeschafft werden, darin alle Studiosi publici(Studenten in unserem Sinn) et classici(Gymnasiasten in unserem Sinn) wie auch alle anderen acta, so bei dem Gymnasio vorfallen, verzeichnet werden sollen.(Demnach wurde bis 1623 eine Matrikel nicht geführt. Die 1623 jedenfalls begonnene und wohl auch weiter geführte Matrikel ist nicht erhalten.) Ferner wurde

2. beschlossen die Beschaffung eines Schulsiegels, weiter daß man

3.den Conrector belangent es noch zur Zeit gestalter sachen nach bei Dn. Rein(hardi) Hermanni Person bewenden lassen wolle,doch dergestalt, daß er von Dn. Rectore zu besserem

*) 1622 verbrennt Christian von Braunschweig mehrere Hanauer Dörfer, 1629 ist die Witzleben'sche Belagerung und die Vernichtung des Hanauer Landes, 1631 am 1. Nov. erobert der schwedische Oberst Hubald die Stadt, vom 15. Sept. 1635 13. Juni 1636 wird die Stadt von Lamboy belagert, während gleichzeitig die Pest wütet, 1637 wird Hanau durch van Werth'sche Truppen blockiert, 1638 befreit Winter von Güldenbronn die Stadt von der Herrschaft der schwedischen Truppen.(Junghans.)