Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Hanau, vordem "Hohe Landesschule". Festschrift zur Gedenkfeier des 300jährigen Bestehens der Anstalt. 1607-1907
Entstehung
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er) des Grafen Philipp Moritz, der Gräfin Sibylla Christine, vermählte. So ward diese Frau zum zweiten Male die Gattin des regierenden Grafen. Daß sie ein ernstes Interesse für die neue Schule hatte, das hatte sie schon als vormundschaftliche Regentin im Jahre 1640 bewiesen, indem sie zunächst einmal der unteren Schule, dem Pädagogium, eine bessere und festere Gestaltung zu geben suchte, wovon wir weiter unten sprechen werden. Daß sie einen wesentlichen Einfluß gehabt hat bei der Wiederaufrichtung der Universität, die im Jahre 1665 stattfand, bezeugt noch heute die lateinische und deutsche Inschrift über dem Portale des Gymnasiums, in welch letzterer es heißt:

Graf Philips Ludwig stift die Schul ahn diesem Ort

Graf Friedrich Casimir half ihr dann weiter fort.

Dabei thät dieses Herrn Gemahlin sich erweisen,

Daß sie mit gutem Fug des Landes Mutter heisen u. s. w.

Dieselbe Fürstin konnte übrigens noch 1680 als 77jährige Greisin der Einweihung der Aula bei- wohnen. S. unten S. 22.

Nachdem Sibylla Christine schon in ihrem Instruktions-Memorial für den Schulrat Direktor Johann Geissel vom 20. Juli 1640 auf endliche Weiterführung des Baues des neuen Schulhauses hingewirkt hatte, indem sie Anfertigung eines Modells durch verständige Baumeister(von dem ursprünglichen scheint man abgekommen zu sein), Besichtigung der schon seit 1612 kaum weiter- geführten Fundamente(der Kellerhals des Hauptbaues trägt die Zahl 1630), Bestimmung eines Bestellmeisters der Materialien u. s. w. verfügte, wurde nunmehr von ihrem Gatten und ihr der Bau wieder in Gang gebracht. Es wurde von Herborn ein neuer Rektor und Professor in der Person des Joh. Jac. Gantersviler, der zugleich auch bis 1670 die Rektorstelle des Pädagogiums bekleidete, demnächst auch andere Professoren für diesen akademischen Teil der Schule berufen, die Stiftungs- urkunde wurde samt Subsidienordnung erneut und Dienstag den 21. Februar 1665 das neue Gebäude und die neue Anstalt, die Universität, feierlich eingeweiht. Den Lehrern und Schülern der unteren Schule, der schola classica oder des paedagogiums, hatte sich der gemeinsame Rektor indessen schon vorher am 28. Januar 1665 feierlich vorgestellt)(vergl. die Matrikel zu 1665).

Wenn nun die Festfeier, die im Jahre 1865 am 21. Februar stattgefunden hat, von dem hochverdienten und unvergeßlichen damaligen Direktor Dr. Piderit eingeleitet worden ist mitDer Festschrift zu der Feier des zweihundertjährigen Jubiläums des Gymnasiums zu Hanau, Geschichte der Gründung und Einweihung des Gymnasiums zu Hanau, I. Teil Hanau 1865 So ist dieser Titel etwas irreführend und nicht ganz zutreffend. Man feierte damals doch eigentlich nur das Fest des zweihundertjährigen Jubiläums des Gymnasialgebäudes und das Fest der vor 200 Jahren stattgehabten feierlichen Eröffnung der(zweiten) Universität Hanau, des Gymnasii superioris, die aber 1813, nachdem sie 148 Jahre bestanden hatte, schon wieder eingegangen war. Die untere Schule aber, das Gymnasium inferius, die schola classica oder das paedagogium illustre, die in dem heutigen Gymnasium in veränderter Gestalt fortlebt, hat abgesehen davon, daß auch sie wohl in dem Neubau 1665 ihre neue Stätte fand, mit dem Jahre 1665 nichts zu tun. Sie geht ohne allen Zweifel in fast ununterbrochenem Zusammenhang auf das Jahr 1607 zurück, wenngleich ihre Ent-

*) Die feierliche Einholung Gantersweilers durch die Hanauer Studenten, für die er sich in seiner Ein- weihungsrede bedankte,daß ich euch nicht vorbey gehe, ermahnt mich unter andern dies, daß ihr mir, als ich jüngst allhier ankommen, auf etliche Meilwegs entgegen zu reiten u. s. w. nicht angestanden wird demnach wohl schon vor dem 28. Januar stattgefunden haben(vergl. Piderit II. 6 u. 17.)

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