Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Hanau, vordem "Hohe Landesschule". Festschrift zur Gedenkfeier des 300jährigen Bestehens der Anstalt. 1607-1907
Entstehung
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durch Zufügung von akademischen Fakultäten in eine der Herborner oder Steinfurter vollkommen entsprechende Anstalt umgewandelt. Aber von den vier namhaften Gelehrten, die damals als Professoren berufen wurden, gab Joh. Petr. Lotichius schon nach 2 Jahren 16²5 seine Stelle als professor physices auf und verzog nach Frankfurt, wo er sich als Arzt niederließ; dem vom Unglück verfolgten Paulus Tossanus wurde schon am 30. März 1625, nachdem er erst 2 Jahre im Amt gewesen war, seine Professur wieder gekündigt. Er war von Geburt Franzose(geb. zu Montargis) und war, wie er selbst schreibt, der deutschen Sprache nur unvollkommen mächtig. Er hatte bei der Eroberung der Pfalz Hab und Gut und auch seine Stelle als Kirchenrat eingebüßt und saß mit Weib und 7 Kindern seitdem in Hanau ohne Beschäftigung und ohne Brot. Er bat flehentlich um das Rektorat und, nachdem dieses Pareus übertragen war, um eine andere Stelle. Man bot ihm dann am 8. Januar 1623 die Professur der Theologie mit knappem Gehalt(150, später 260 Gulden) an, doch scheint sich bald gezeigt zu haben, daß er seine Stelle nicht ausfüllen konnte(vielleicht wegen der Sprache). Er hatte sich schon 1623 ohne Erfolg um eine Stelle in Danzig bemüht, hatte 1625 eine Stelle beim Grafen v. Solms zu Butzbach inne und bat dann um Wiederaufnahme in den gräflichen Dienst. Er starb hier in Hanau im Jahre 1629. Von einer Wiederbesetzung der beiden Stellen ist keine Rede in den Akten. Der dritte., Joh. Daniel Wild, der vom geistlichen Inspektor(ecclesiae Hanoviensis antistes et vicinarum inspector) zum professor locorum communium berufen worden war, starb 1635 in Hanau an der Ruhr. Der vierte, Johann Philipp Pareus, der Magister der Philosophie, poeta laureatus, der wahrscheinlich seit Anfang Januar 1623 die Stelle als Professor der hebräischen Sprache, der Logik und der Theologie an der Universität bekleidet hatte, Rektor der Universität und gleichzeitig des Pädagogiums gewesen war, blieb als einzige Säule noch übrig. Er scheint als Professor schon längst keine Zuhörer mehr gehabt zu haben, als er noch als Rektor des Pädagogiums jedenfalls 1639 in Tätigkeit war. Er starb im Jahre 1648 72 Jahre alt in Hanau. Im Rektorat des Pädagogiums folgte ihm zaulus Wolffius.

So war der letzte der Professoren der 1623 ins Leben gerufenen ersten Universität ge- schieden, gerade 25 Jahre, nachdem sie gegründet war. Studenten und Vorlesungen gab es schon längst nicht mehr; mochte auch der erste und letzte Rektor dieser ältesten Hochschule in Erinnerung noch den Namen eines Rector gymnasii illustris sich beilegen, die Schule war längst wieder zum einfachen Pädagogium geworden und führte auch als solches ein vielfach gestörtes Dasein.

In demselben Jahre 1648, wo der erste und letzte Rektor dieser ältesten Universität, Philipp Pareus, die Augen schloß, starb auch die Begründerin der Universität, Catharina Belgica, die Witwe Philipp Ludwigs II. Sie hatte bis zum Jahre 1626 die vormundschaftliche Regierung geführt, dann hatte ihr Sohn Philipp Moritz selbst, 21 Jahre alt, im August die Zügel der Regierung übernommen. Er vermählte sich am 16. Dezember 1627 mit Sibylla Christine von Anhalt-Dessau. Diese Frau, die am 10. Juni 1603 geboren war und das hohe Alter von 83 Jahren erreichte, sollte in der Geschichte der Schule eine bedeutsame Rolle spielen. Ihr Gatte starb, erst 25 Jahre alt, am 3. August 1638. Da sein Nachfolger und Sohn Philipp Ludwig III. beim Tode des Vaters noch nicht ganz 6 Jahre alt war, so übernahm Sibylla Christine für ihn die vormundschaftliche Regierung. Doch auch Philipp Ludwig III. starb schon am 12. November 1641, und mit seinem Vetter und Nachfolger Johann Ernst, einem Sohn des Bruders Philipp Ludwigs II., starb die Linie Hanau- Münzenberg am 12. Januar 1642 aus.

Ihm folgte Friedrich Casimir aus der Linie Hanau-Lichtenberg, geb. am 4. August 1623, der nach kurzer vormundschaftlicher Regierung am 13. März 1647 die Regierung antrat und sich am 13. Mai 1647 mit der damals 43 jährigen Witwe(sie war fast genau 20 Jahre älter als