Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Hanau, vordem "Hohe Landesschule". Festschrift zur Gedenkfeier des 300jährigen Bestehens der Anstalt. 1607-1907
Entstehung
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Illi dividantur in inferiores, Alphabetarios, et superiores, Arithmeticos. Alphabetariis praeficiatur unus magister publicus, arithmeticis alter, qui eruditus esse debet linguae gallicae; prior, si potest, bene ſest], si non ſ[potest], non debet lesse], quia non est necesse.

Duo hi magistri laboriosi potius sint, quam docti; quibus enim acumen aliquod ingenii

lest, cum] ad altiora semper habentes lsint) animum intentum, ſii] officium hoc vile licet non vile (sit! faciunt cum summo taedio ac summa negligentia. Ein vielleicht übertriebenes, aber nicht

ganz unberechtigtes Wort. Es folgen nun die Bemerkungen über die Zahl der für die beiden untersten Klassen zu erwartenden Schüler(je 100!) und die Größe der erforderlichen beiden Lehrzimmer(30 Fuß lang, 20. breit). Dann fährt er fort:

Exaltatio utriusque exercitii, germani et gallici, est elegantia in scribendo, promptitudo in legendo, quae exaltatio cum non cadat in puerilem aetatem, ab alphabetariis nec postulanda nec expectanda lest], sed eo discrimine discernantur, ut illi, qui postquam scribere et legere didicerunt hanc vel illam linguam vel utramque, et animum suum volunt et possunt applicare ad studia liberalia, mittantur ad scholam classicam, qui vero in germanicis aut gallicis pergere volunt ad elegantiam, promoveantur in alterum conclave arithmeticorum; in hoc omnis generis literas pingere, choraliter canere, vulgariterque numerare discunt pueri; addo qui volunt, discant gallice, usu potius dquam multis praeceptis(= Regeln), paucis enim opus erit. u. s. w.

Wir sehen also, er fordert für die Elementarschule 2 Klassen: die unterste(Alphabetarii) ist gemeinsam für die späteren Lateinschüler, die nach Absolvierung der untersten Klasse in die schola classica(das untere Gymnasium) eintreten, und für diejenigen, die, ohne höhere Studien zu machen, später in die Klasse der sog. Arithmetici eintreten, wo sie bis zu ihrem Austritt aus der Elementarschule bleiben. Selbstverständlich muß jede dieser Elementarklassen mehrere Jahreskurse umfassen, was schon um deswillen nötig ist, weil 100 Schüler auf einen Lehrer kommen sollen. Aus den weiteren Vorschriften erhellt, daß der Lehrer sich immer nur mit einzelnen Abteilungen in einer Klasse so wie es z. T. heute noch auf dem Lande ist beschäftigen kann.

Wie oben schon angedeutet, zeigt sich in dieser treuen Fürsorge für die geistige Ausbildung der Kinder der neu zugewanderten Bevölkerung die weitschauende politische Größe und zugleich auch die Herzensgüte des Fürsten, und es ist begreiflich, daß solche Gesinnung in den Herzen der Neubürger lauten Widerhall finden und mächtig in ihnen die Liebe zu einem Gemeinwesen, für dessen Verteidigung sie nach wenig Jahrzehnten den letzten Blutstropfen freudig eingesetzt haben, fördern mußte.

Zu früh starb aber der Mann, der die Schule in das Leben gerufen hatte. Bei seinem Tode am 9. August 1612 war der Bau des Hauses eben erst begonnen worden. Nach seinem Tode bestand die neugegründete Schule zwar weiter, aber es ist wenig aus ihrer Geschichte in dieser Zeit, soviel wir wissen, überliefert.(Einiges von dem, was ich gefunden habe, folgt auf Seite 12 u. f.) Der erste Rektor war Rudolf Lavater, der wahrscheinlich nach dem Tode des letzten Lehrers der Stadtschule Holz diese übernommen und eine Zeitlang geleitet hatte.

Nach Philipp Ludwigs II. Tod hatte seine Gattin Catharina Belgica die Herrschaft als Vormünderin ihres unmündigen Sohnes Philipp Moritz(geb. 25. Aug. 1605) übernommen. Trotz der Schwierigkeiten der Zeiten nahm diese Frau den Gedanken, das Paedagogium durch eine Art von Universität zu einem gymnasium illustre zu erweitern, den ihr Gatte gehegt, aber vorläufig in der Tiefe des Herzens geborgen hatte, wieder auf. Die Zeit für Gründung einer Hochschule in Hanau schien, nachdem die Universität Heidelberg von den Folgen des Pfälzer Krieges schwer betroffen war, besonders günstig. So wurde denn die neue Schule aus einem paedagogium illustre zu einem gymnasium illustre erhoben, d. h. die untere schola classica, das paedagogium, wurde

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