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So heibt denn die zu gründende Schule überall schlechtweg die Schul zu Hanau oder die neue Schul, so auch noch nach Gründung der Universität in der Instruktion für den Kollektor (Rechnungsführer) vom 1. Januar 1624, oder auch schola elassica, z. B. in den Bauplänen.
Wenn in den Beratschlagungen, die am 29. Nov. 1612 in der Kanzlei in betreff des Bau- planes stattfanden, von Gemächern für die„Studenten“ gesprochen wird, so sind darunter offenbar die contubernii(Konviktualen) des Pädagogiums zu verstehen. Wir besitzen bei den Bauakten einen ausführlichen, in mehrfacher Hinsicht sehr bedeutsamen, noch nicht veröffentlichten Studienentwurf vom Jahre 1610 aus der Iland eines Beraters des Fürsten in Angelegenheit der Schule, des Arztes Dr. Heinrich Schiller. Diesem Studienentwurf sind angefügt die ersten mit Faustzeichnungen und Erläuterungen versehenen Baupläne für die neue Schul, nach denen später von der Hand eines fachmännischen Architekten, wie Winkler und Mittelsdorf vermuten, des Gräflichen Baumeisters Jacob Stupan, die ersten Baupläne genauer ausgeführt sind. In diesem Studienentwurf und in den mit lateinischem Text versehenen Bauplänen finde ich nirgends etwas über eine Abteilung für aka- demische Studien oder von Räumen für die akademischen Lehrer und Schüler erwühnt. Dieser älteste Bauplan sah übrigens den Bau an einer Stelle vor, an der er später nicht errichtet wurde, nämlich etwa da, wo die Verlängerungen der Bangertstraße und der Marktstraße auf dem heutigen Paradeplatze sich treffen. Dort befand sich damals das mittlere große Bollwerk der zweiten, von Philipp II. herrührenden Befestigung der Altstadt von Hanau, welche Bangertstraße, Hospitalstrabe u. s. w. zur ältesten Stadt zufügte und die Stadt nach Osten zu schützte.(Vgl. Mittelsdorf u. Winkler, Baudenkmäler von Hanau, S. 206 ff.) Es werden in dem Studienplane, der überschrieben ist„circa scholas discursus“, von der untersten Elementarklasse ab die Aufgaben genau abgegrenzt. Besonders interessant ist dabei die vorhin angedeutete Rücksichtnahme auf die Mehrsprachigkeit der Bevölke- rung, in der Deutsche, Holländer und Franzosen sich vereinigt hatten. Der Lehrplan, der sicher nach den Gedanken des Grafen ausgearbeitet war, läbt zugleich einen Blick tun in die politische Weisheit des Fürsten. Durch die Errichtung dieser Schule, in der die Kinder der verschiedenen Volkselemente, Holländer, Deutsche und Franzosen, zu einer bürgerlichen Einheit verschmelzen sollten, wurde— das ist ja ganz selbstredend— erst das Werk der Erbauung der Neustadt gekrönt; auch erheischte schon der Bevölkerungszuwachs eine Erweiterung und Neuaufrichtung der Hanauer Schule nach den Anforderungen der Zeit. Wenn dabei der konfessionelle Charakter der neuen Schule von Anfang an der reformierte war, ohne daß man Lutheraner ausgeschlossen hätte, so war auch dies ein wichtiges Zugeständnis an die Zugewanderten, die, um ihres Glaubens willen aus der Heimat vertrieben, hier eine Stätte fanden, wo sie ihr Haupt ruhig niederlegen konnten.
Ich kann es mir nicht versagen, die einleitenden klaren und vollwichtigen Worte dieses Discursus des Dr. Heinrich Schiller, wenigstens soweit sie von den Elementarklassen handeln, hier anzuführen:
Dignitate minimum, usu latissimum Musarum donum est, quo maxima pars populi indiget, posse legere et scribere proprium nationis sermonem.
Sermo hoc in loco duplex, germanicus et franciscus; hollandicus enim, alias inferior, debet usu temporis mutari in superiorem.
Duplex ergo esto exercitium publicum, nam reputo illud non pro minima gloria huius loci, si Germanico exercitio accedat Gallicum, sicut Germano populo hic accessit Gallicus.
Exercitio huic vel illi destinentur pueri omnes, sive postea hebraice, graece et latine sint discituri(!), sive non, cum nullo negotio latinas[näml. literas] dinoscat qui Germanas vel Gallicas novit.
Puerorum aliqui vel solum germanice vel solum gallice, vel germanice et gallice simul discent, aliqui studiis liberalibus sese deinde adjungent, de quibus posterioribus suo loco.


