Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Hanau, vordem "Hohe Landesschule". Festschrift zur Gedenkfeier des 300jährigen Bestehens der Anstalt. 1607-1907
Entstehung
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Auch die Marburger Hochschule bot ihm ein Beispiel, und die Schule zu Gießen, die gleich der Hanauer im Jahre 1607 gegründet wurde, verband mit dem unteren Teil, der schola classica, trivialis oder dem paedagogium eine Universität. Auch daraus, daß seine Witwe Catharina Belgica im Anfang der zwanziger Jahre zu einer solchen Erweiterung schritt, kann man auf einen ursprüng- lichen Plan des Gründers schließen, und bei der Erweiterung des Paedagogiums im Jahre 1665 hat der Konsistorialrat Eisenmenger in seiner Inaugurationsrede gesagt, daß schon Graf Philipp Ludwig II. sich mit dem Plane einer vollen und ganzen Schule getragen habe.*)

Aber ausdrücklich bezeugt finde ich dies in keiner der von mir eingesehenen Urkunden aus der Zeit der Gründung. Die BezeichnungHohe Landesschule entdecke ich daselbst nirgends. Sie kommt erst viel später vor. In der Subsidienordnung vom 5. Februar 1607 heißt es, der Graf wolle, daß die Schul zu Hanau, als in der vornehmsten Statt ihrer Grafschaft,wieder aufgerichtet werde u. S. w., in dem Schuldekret vom 13. Februar 1607, durch das die neuen Scholarchen, an ihrer Spitze Sturio, bestellt wurden, heißt esdemnach wir die Schuell zu Hanau im einen etwas beßern stanndt und vfkommen gern gebracht sehen möchten, und ähnlich oder gleich sind die Ausdrücke im Schreiben der Scholarchen an die Gräfin vom 20. März 1607, wie auch endlich in der Stiftungsurkunde vom 18. Juli 1607. Die alte Schule in Hanau aber, die z. T. durch die Pest in Auflösung gekommen war, war eigentlich nur eine einfache Stadtschule, eine Zklassige deutsche Schule gewesen, in der aber auch schon die Anfangsgründe des Lateins unterrichtet worden waren. Philipp Ludwig II. scheint sich nun vorläufig mit dem Plan begnügt zu haben, diese Stadtschule zu einem paedagogium illustre, das unserem heutigen Gymnasium entspricht, verbunden mit einem Konvikt für ärmere Schüler zu erheben, wie es tatsächlich nachher auch geschah, eine Einrichtung, in die uns die unten weiter zu besprechende Matrikel einen klaren Einblick tun läßt, und wenn die Herren von seinem Konsistorium, der Direktor Flügel an der Spitze, gegen des Grafen Plan sich auflehnten**) und schon von der Einrichtung eines Contuberniums an dieser neuen Schule nichts wissen wollten, so konnte er wohl sich sagen, daß er auf unüberwindbare Hindernisse stoßen würde, wenn er mit der Verwirklichung seines gesamten Planes sofort begönne. Wenn man nicht einmal für die bescheidenen Pläne die Mittel hatte, woher sollte man sie für eine Universität nehmen? Er wird sich also als ein verständiger Mann mit dem zunächst durchführbaren, dem Pädagogium, begnügt haben. Daran hatte man zunächst auch genug Arbeit und Sorge, zumal da die Bevölkerung von Hanau noch besondere Rücksichten erheischte und Schwierigkeiten verursachte. Da nun zwischen den Bezeichnungen paedag. illustre und gymnasium illustre ursprünglich der Unterschied ist, daß jenes nur das heutige Gymnasium, dieses ein solches mit aufgesetzten Fakultäten bezeichnet, so sollte es bei Piderit I, 10, Z. 6 richtiger heißen:Philipp Ludwig beschloß demnach eine höhere Lehranstalt, ein paedagogium illustre zu gründen, nicht eingymnasium illustre, es müßte denn sein, daß auch hier schon die Bezeichnung nicht scharf gewählt worden wäre.

*) Eisenmenger sagt(vergl. Piderit II, 27 f.)Philippus Ludovicus etc. anno 1607 18. Julii certam de illustri gymnasio tam aedificando quam conservando nonmodo constitutionem promulgavit, munificentissime illud de proprio dotavit, sed etiam certos annuos reditus ac proventus constituit atque manum insuper splendidissimo exstruendo aedificio admovere coepit ea intentione, ut opere illo absoluto viros doctissimos... convocaret eosque professorio muneri in qualibet facultate praeficeret u. s. w. und ferner Seite 38 donec tandem princeps Catharina Belgica etc. domini conjugis propositum redauspicaretur.

**) Die Originalakten über diese Verhandlungen, die Piderit I, S. 9 ausführlich angibt, habe ich wegen der Kürze der Zeit nicht einsehen können. Sie finden sich hier nicht vor. Vermutlich sind sie mit den Akten des ehemaligen Konsistoriums in das Marburger Archiv gekommen.