Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Hanau, vordem "Hohe Landesschule". Festschrift zur Gedenkfeier des 300jährigen Bestehens der Anstalt. 1607-1907
Entstehung
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genommen wird. Bei Gelegenheit der Verhandlungen über die Baupläne vom 29. Nov. 1610 (Archiv A, III, 1) rät nämlich Sturio, der wie weiter unten gezeigt wird, dem Gymnasium illustre Arnoldinum zu Burgsteinfurt angehört hat, dasLeichische Modell es rührt her von einem Manne, der Decan oder Dechant von Leichen oder Lichen oder auch Dechant von Lich Senannt wirdso der Gräflichen Bentheimischen Neuen Schul zu Steinfurt fast ähnlich mit einigen An derungen anzunehmèn. Diese Schule war gegründet Herbst 1588 im Kloster Schüttorf bei Bentheim als eine 7klassige Trivialschule, die der schola classica entsprach, und wurde dann Michaelis 1591 wegen der häufigen an der niederländischen Grenze stattfindenden Einfälle der Holländer und Spanier nach Steinfurt(heute Burgsteinfurt) verlegt, wo ihr der Gründer, Graf Arnold von Bentheim, einCollegium der dreien fürnembsten faculteten als Theologiae, Jurisprudentiae und physicae oder medicinae beiordnete. Graf Arnold sandte 1586 seine drei ältesten Söhne nach Herborn zur hohen Schule, die 1584 vom Grafen Johann von Nassau, dem Bruder des großen Oraniers, gestiftet war und später dem Grafen bei Errichtung seiner Schule zum Vorbild diente*). Auch Philipp Ludwig II., der Gründer der Hanauer Schule, hat das Gymnasium illustre in Herborn besucht. Somit hat wohl dieses einerseits der Burgsteinfurter, andererseits der Hanauer Schule als Vorbild gedient. Nach Heinrich von Hövels Speculum Westphaliae p. 42**) hat dem Burgsteinfurter Arnoldinum auch einWilhelm Sturio angehört. Es heißt von ihm: In hoc autem Gymnasio, quod ab ipso conditore Arnoldinum nuncupant, superioribus annis claruere Joannes Bloccius. Joannes Althusius et Wilhelmus Sturio Jure consulti eximii ac publicae Juridicae facultatis professores, qui ob multam eruditionis gloriam exteris quoque nationibus innotescentem postmodum alio fuere vocati. Man wird wohl nicht irre gehen in der Annahme, daß Wilhelm Sturio identisch ist mit dem Schultheißen der Hanauer Neustadt, dem bekannten Verfasser der Hanauer Chronik, der gegenüber den Quertreibereien des Konsistorialdirektors Flügel***) und seiner Anhänger durch sein energisches Drängen sich das wesentlichste Verdienst um die Gründung der Schule erwarb.

Dem Gründer des Hanauer Gymnasiums, dem Grafen Philipp Ludwig II., war also die kurz

vdrher im Jahre 1584 gegründete Hohe Schule zu Herborn das Gymnasium illustre die aus einem unteren Gymnasium und einer Hochschule bestand, genau bekannt. Hatte er doch dort wie Piderit berichtet Vorlesungen gehört, sich an den akademischen Disputationen mit Eifer

und allgemeinem Beifall beteiligt und sogar honoris causa die Würde eines Rector magnificentissimus bekleidet. Wenn man berücksichtigt, daß jene Herborner Schule einen streng ausgeprägten kon- fessionell reformierten Charakter hatte und daß Philipp Ludwig, der selbst diesem Bekenntnisse eifrig zugetan war, durch seine Schule jedenfalls zur Befestigung dieses Bekenntnisses beitragen und die Jugendgleichsam zu Säulen des weltlichen und geistlichen Regiments erzogen wissen wollte, wenn man ferner in Erwägung zieht, daß auch sein Scholarch, der Schultheiß der Neustadt, Sturio das genau nach dem Muster der Herborner Anstalt eingerichtete Steinfurter Gymnasium aus eigener Anschauung kannte, und daß eben dieser Sturio ganz offenbar der Mann war, der die Neu- gründung der Schule aufs eifrigste betrieb und dafür sorgte, daß der Eifer des Grafen hierfür nicht erlahmte, so wird man kaum daran zweifeln können, daß der Gründer von Anfang an die Absicht hatte, auch ein Collegium der vornehmsten Fakultäten mit der Anstalt zu verbinden, also eine volle Schule mit Universität ganz nach dem Muster der Herborner oder Steinfurter einzurichten.

*) Siehe darüber die vita Arnoldi Comitis in Bentheim ab anno 1554 ad anno 1606, veröffentlicht von Dr. K. G. Döhmann, Programm des Burgsteinfurter Gymnasiums 1903.

**) Mitgeteilt ist die Stelle in der angeführten Schrift von Döhmann, Seite 32 Fußnote.

***) Uber die Stellungnahme Flügels siehe Piderit, Geschichte des Gymnasiums zu Hanau, I. S. 9.