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I. Geschichtliche Einleitung.
In dem Ostern d. J. erschienenen Jahresbericht über das Schuljahr 1906 habe ich zu den kurzen Bemerkungen(S. 24 Fußnote) über das älteste Schülerverzeichnis, das wir besitzen, die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648—1748, einige eingehende Mitteilungen in Aus- sicht gestellt, die ich hier geben will.
Um auch diejenigen, die mit der älteren Geschichte des Hanauer Gymnasiums, wie sie Piderit im Jahre 1865(Festschrift, Osterprogramm und Festrede) mitgeteilt hat, und mit der späteren Entwickelung, wie sie in gedrängter Zusammenfassung, gleichfalls aus der Feder Piderits stammend, in Wiese, Geschichte des höheren Schulwesens in Preußen, Band II, 1869 Seite 456 f. sich findet, weniger bekannt sind, über die Stellung, welche diese Matrikel in der Geschichte des Gymnasiums einnimmt, aufzuklären, bedarf es eines kurzen Rückblicks auf die Entstehungsgeschichte der Anstalt. Ich schließe mich dabei zum Teil an Piderit an. Zunächst sei einiges vorausgeschickt über die Namen der Anstalt.
Es kommen für diese Schule verschiedene Bezeichnungen vor. Die älteste ist„Die Neue Schul“, daneben wird gesprochen von dem Paedagogium illustre, dem Gymnasium illustre, der Schola illustris und endlich von der Hohen Landesschule. Das Verhältnis dieser Bezeichnungen scheint folgendes zu sein: Die„Neue Schul“ ist ursprünglich als Paedagogium illustre, d. h. als eine Vorbereitungsschule für die Universität, ein Gymnasium in unserem Sinne ohne Akademie ins Leben gerufen worden. Sie wird auch Schola classica genannt, daher die Schüler„Klassiken.“ Sie war eine Fortsetzung und Erweiterung der alten Stadtschule oder Lateinschule. Als Schola Illustris(auch Athenaeum illustre, Lyceum illustre) werden die später zugefügten akademischen Fakultäten bezeichnet, so in dem Album der Universität,F*) das mit 1665 beginnt. Unter Gymmasium illustre und Hohe Landesschule— dieser Ausdruck kommt erst später vor— wird die Gesamtanstalt, d. h. das Gymnasium in unserem Sinne in Verbindung mit den akademischen Fakul- täten bezeichnet, und zwar ist jenes das Gymnasium inferius, dieses das Gymnasium superius. Jedoch werden diese Bezeichnungen nicht immer streng auseinander gehalten. Der Ausdruck cives academici wird nur von den Besuchern des Gymnasium superius gebraucht, als Studiosi dagegen scheinen gelegentlich auch die Schüler des Paedagogiums, die Klassiken, bezeichnet zu werden.
Ganz ähnliche Einteilung und Bezeichnung findet sich u. a. bei dem Gymnasium illustre Arnoldinum zu Burgsteinfurt,**) einer Anstalt, auf die in den ältesten Bauakten unserer Anstalt Bezug
*) Es ist veröffentlicht in den Programmen des Hanauer Gymnasiums von 1895 und 1896.— Über die Ge- schichte dieses akademischen Teiles hat eingehende Mitteilungen gemacht Koppen, zur Geschichte der hohen Landes- schule, Mitteilungen des Hanauer Geschichtsvereins von 1892, Seite 47. ff.
*r) Zusammenfassende Mitteilung über die älteste Einrichtung des Gymnasium Arnoldinum siehe bei Wiese, Gesch. d. höh. Schulwesens in Preußen, I. 302 ff.


