Aufsatz 
Staatliches Gymnasium zu Dillenburg. Festschrift zur 50jährigen Gedenkfeier seines Bestehens als Vollanstalt am 8. und 9. September 1924
Entstehung
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dere jene umfaßte, welche ſich den höheren techniſchen Berufsarten widmen und ſpäter das Realgymnaſium beſuchen wollten. Dieſe letzterenpartizipieren am lateiniſchen Unterricht der Aſpiranten der Gelehrten⸗ gymnaſien, ſind aber nach früheren Regimmalver⸗ fügungen von dem Unterricht im Griechiſchen dis⸗ penſiert und werden dafür einzelnen Lektionen der Realiſten hingewieſen. Für das Schuljahr 1858/59 allerdings wurden, da ſich in allen vier Klaſſen ledig⸗ lich 14 Schüler für die Realabteilung meldeten, nur zwei neue Klaſſen in der Weiſe gebildet, daß die Realiſten der 1. und 2. und der 3. und 4. Klaſſe zuſammengenommen wurden. Auch in den folgenden Jahren, bis Oſtern 1867, iſt die Zahl der Realiſten in der 1. Klaſſe mit einer Ausnahme im Jahre 1865/66 ſtets geringer geweſen, als die der Lati⸗ niſten, während das Verhältnis bei den drei andern Klaſſen, insbeſondere bei der 4. Klaſſe, oftmals umgekehrt war. Mit dieſen verſchiedenen, nebeneinan⸗ der herlaufenden Kurſen, dem rein gymnaſialen(mit Griechiſch), dem realgymnaſialen und dem realen (ohne Latein), iſt das Pädagogium damals eine Vorbereitungsanſtalt für alle drei Arten der höhe⸗ ren Schule geweſen. Mit dieſer Neuordnung wurde zugleich ein weiterer Schritt zum Ausbau der Realanſtalt getan; es wurde von der Behörde die Bildung einer fünften höheren Realklaſſe(Selekta) in Ausſicht geſtelltfür den Fall, daß ſich an Hand der Erfahrung das Bedürfnis einer ſolchen ergeben würde. Tatſächlich iſt in den beiden folgenden Schul⸗ jahren 1859/60 und 1860/61, wie die Ueberſicht zeigt, eine ſolche Selekta eingerichtet geweſen. Da aber in den folgenden Jahren die Mindeſtſchülerzahl 6, die von der Behörde inzwiſchen für deren Weiter⸗ führung feſtgeſetzt worden war, nicht mehr erreicht wurde, hat man ſie wieder eingehen laſſen.

3. Die dritte und letzte Periode des Pädago⸗ giums rechnet von Oſtern 1863 ab; ſie unterſcheidet ſich von der vorhergehenden nur dadurch, daß die beiden Kurſe der lateiniſchen Abteilung der 1. Klaſſe, wohl infolge des Mangels an ſolchen Schülern, die zum Realgymnaſium übergehen wollten, wieder enger aneinander angeſchloſſen wurden. Es hat aber auch in den folgenden Jahren wiederholt einzelne Schüler gegeben, die von dem griechiſchen Unterricht der lateimiſchen Abteilung befreit waren und in dieſen Stunden am Unterricht der realen Abteilung, ins⸗ beſondere am Engliſchen teilnahmen.

Eine bedeutende Erweiterung des Aufbaus der Schule brachte ferner die gleichzeitig mit der durch Verfügung vom 10. Auguſt 1858 angeordneten Re⸗ organiſation des Pädagogiums beſchloſſene Errich⸗ tung einer Bergſchule in Dillenburg. Dieſe wurde mit der Anſtalt in der Weiſe in Verbindung geſetzt, daß ſie 1. unter die Direktion des Pädagogialrektors geſtellt wurde; 2. daß der nicht rein techniſche Unter⸗

richt in derſelben von Lehrern des Pädagogiums erteilt werden ſollte; 3. daß ſie alle Schul⸗ und Hausutenſilien mit dem Gymnaſium gemeinſchaftlich haben ſollte. Zweck der Schule war, ihre Zöglinge zu techniſchen Grubenbeamten, namentlich zu Gruben⸗ ſteigern, Werkführern, Grubenverwaltern, Rechnungs⸗ führern, Marrkſcheidergehilfen, ſowie zu Maſchinen⸗ und Huttenaufſehern auszubilden. ¹) Die Bergſchule iſt bis zur Umgeſtaltung des Pädagogiums in das Progymnaſium mit dieſem verbunden geblieben, und die Schule hat aus dieſer Verbindung namentlich für die Erweiterung ihrer Sammlungen durch be⸗ ſondere Zuwendungen der Regierung und der an der Bergſchule beſonders intereſſierten Bergbau⸗ und Hütteninduſtrie der Umgegend reichen Nutzen ge⸗ zogen. Da dieſe jedoch eine völlig ſelbſtändige Lehr⸗ anſtalt geblieben iſt, wird von der Darſtellung ihrer Weiterentwicklung hier Abſtand genommen und auf die zu ihrem 50 jährigen Jubiläum erſchienene Feſt⸗ ſchrift²) verwieſen.

2. Iunore Umgeſtaltung,

Daß ſich gegenüber den Lehrplänen und Lehr⸗ aufgaben vom Jahre 1817, die, wie wir ſahen, die Grundlage zum Aufbau des naſſauiſchen höheren Schulweſens bildeten, im Laufe der Jahre manches geändert hatte, darauf war ſchon an früherer Stelle hingewieſen worden. Am tiefſten hatte man in die bisherige Schulverfaſſung eingegriffen, als vom Jahre 1844 ab der naſſauiſche Lehrplan nach dem Muſter der in dem einflußreicheren preußiſchen Nach⸗ barſtaate geltenden Schulordnung umgeſtaltet wurde. Zwar blieb, wie im vorhergehenden Abſchnitt dar⸗ gelegt iſt, die vierklaſſige Pädagogialverfaſſung be⸗ ſtehen und behielt die Schule auch ſonſt manches von ihrer Eigenart aus früherer Zeit hinſichtlich des Lehrverfahrens und der Schulzucht, aber es iſt ander⸗ ſeits doch auch aus den vorliegenden Jahresberichten deutlich erſichtlich, daß von dem Fortſchreiten der pädagogiſchen Wiſſenſchaft, insbeſondere der Ver⸗ wertung moderner pſychologiſcher Anſchauungen und didaktiſcher Erfahrungen auf das Schulweſen auch die naſſauiſche Schule nicht unberührt geblieben iſt. Von nicht geringem Einfluß auf die innere Geſtaltung der⸗ ſelben war einerſeits die bereits in ihrem äußeren Aufbau durch Einrichtung der Realklaſſe hervorgetre⸗ tene ſtärkere Einſtellung auf die zukünftige Berufs⸗ bildung der Schüler, anderſeits aber auch die in jener Zeit immer ſtärker ſich erhebende Forderung der Vertiefung einer des freien Menſchen würdigen ſitt⸗ lichen Bildung. Während in dieſer Hmiſicht unter weiterer Zurückdrängung des grammatikaliſchen Un⸗ terrichtsbetriebes eine tiefere Durchdringung des Ideengehaltes ſowohl des klaſſiſchen Altertums als auch der nationalen Literatur ſich geltend macht, wird nach jener Seite hin der Forderungder nicht

1) Progr. Dillenburg 1859. 2) Geſchichte der Dillenburger Bergſchule von der Gründung im Jahre 1858 bis zur Gegenwart, Dillenbg. 1908.

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