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des Unterrichtes für Nichtſtudierende in mindeſtens zwei Jahreskurſen in Ausſicht genommen, voraus⸗ geſetzt, daß eine hinreichende Schülerzahl ſich zur Teilnahme fände und ſomit ein wirkliches Bedürfnis vorliege. Da indeſſen die Erweiterung der höheren Schulen des Herzogtums und die Neugründung an⸗ derer Bildungsanſtalten im benachbarten„Auslande“ die Frequenz des Pädagogums ungünſtig beein⸗ flußten, ſo iſt es zu dieſer Erweiterung der Anſtalt durch aufgeſetzte Klaſſen nicht gekommen. Das dauernde Schwanken in der Zahl der Realiſten hat dieſen Ausbau zur ſogen. Realſchule höherer Ord⸗ nung, für den zunächſt große Neigung vorhanden war und mancherlei Anſätze gemacht wurden, verhin⸗ dert. Das iſt von weittragender Bedeutung für die Weiterentwicklung geweſen. Denn wäre es damals zum Aufſetzen der geplanten Realklaſſen gekommen, ſo iſt mit einiger Sicherheit anzunehmen, daß wir dann heute nicht ein Gymnaſium, ſondern ein Realgym⸗ naſium oder eine Oberrealſchule hier hätten. Immer⸗ hin hat ſich die realiſtiſche Abteilung bis zur Um⸗ wandlung der Anſtalt in ein Progymnaſium(Oſtern 1867) neben der gymnaſialen erhalten. Die fol⸗ gende Ueberſicht über die verſchiedenen Abteilungen, die in der Zwiſchenzeit nebeneinander beſtanden haben, und die Zahlen der Schüler dieſer einzel⸗
nen Zweige, möge den Aufbau der Schule veran⸗ ſchaulichen. 7 I. Kl. II Kl. III. Kl. V. K. ſ* Schuljahr 8 n 5 8 8 5 8 3 8 2 5 1847/48— 6 4— 10 9 16 45 1848/49—— 11— 7 12 14 44 1849/50— 2 5— 11 14 8(40 1850/51— 4 2— 9 8 20 43 3 1851/52— 8—— 6 17 15 46 E 1852/53— 5 2— 15 15 11 48 8 1853/54— 4 3*— 14 7 12 40 S5 1854/55— 3 7*7— 6 11 13 40 ½ 1855/56— 2 4*— 10 12 8(36 1856/57— 5—-— 14 7 19 45 1857/58— 5 /5— 7 16 20 53 1858/59— 2 2[2 11 413 4 12 4 54 1859/60 5/ 5 3 2 16 4 13 5 5 14 72 1860/61 13 4 4 4 17 5 9 13 6 12 84 1861/62— 6 5 4 9 10 9 13 9 12 77 1862/63— 8 3 6 11 11 9 9 9 16 82 1863/64— 8[— ſ 3/ 9 8 917 6 767 1864/65— 9— 7 8 15 7 10 10 3 69 1865/66— 8— 11 8 8 10 3 10 11 69 1866/67— 11— 28 2 10 11 16 8 68 Die Ueberſicht läßt drei Stadien der Entwick⸗
lung erkennen:
1. Von Oſtern 1847 bis Oſtern 1858 blieb die 1. Klaſſe geteilt in eine Abteilung für„Studierende“ mit griechiſchem Unterricht und eine ſolche für
„Nichtſtudierende“, die ſtatt des Griechiſchen beſon⸗ deren Unterricht in den neueren Sprachen, namentlich im Engliſchen, in der Mathematik, den Natur⸗ wiſſenſchaften und im Zeichnen mit je nach den vor⸗ handenen Lehrkräften wechſelnder Heranziehung die⸗ ſer Fächer erhielten. Der Lehrplan dieſer Abtei⸗ lung wurde zunächſt, ſoweit es die Verhältniſſe geſtatteten, dem des Realgymnaſiums in Wies⸗ baden angeglichen und näherte ſich dann immer mehr dem einer Realſchule, insbeſondere ſeit⸗ dem in dem Schuljahr 1848/49 in der 1. Klaſſe überhaupt keine Gymnaſialſchüler vorhanden waren. Man beſchränkte dieſe Umbildung bald nicht nur auf die 1. Klaſſe, ſondern ging im Winter 1848 in dieſer Richtung weiter, indem man auch dem Fran⸗ zöſiſchen, das nach dem Lehrplan der gelehrten Schulen erſt in der 2. Klaſſe beginnen ſollte, ſchon in der 3. Klaſſe wöchentlich drei Stunden auf Koſten des Unterrichts in Geometrie und Deutſch zuwies. An dieſer Einrichtung wurde auch in der Folgezeit feſtgehalten, wenngleich in den Schuljahren 1851/52, im Winter 1856 und im Schuljahr 1856/57 überhaupt keine„Nichtſtudierenden“ der 1. Klaſſe vorhanden waren, und infolge der Einſchränkung des Lehrer⸗ perſonals von Oſtern 1852 an der Unterricht meh⸗ rerer Klaſſen in einzelnen Fächern zuſammengelegt werden mußte. Die Klaſſen 2—4 blieben indeſſen ungeteilt, aber auch hier wurde ſchon ein Unterſchied zwiſchen den Schülern beider Richtungen gemacht, und den zukünftigen Realiſten die Möglichkeit zur Teil⸗ nahme an freiwilligem Linearzeichnen gegeben.
2. Für die weitere Umgeſtaltung nach der realen Seite im Schuljahr 1858/59 war maßgebend das Regiminalreſkript vom 10. Auguſt 1858, durch das verſügt wurde,„daß das Pädagogium mit dem Beginne des Winterſemeſters eine im allge⸗ meinen der höheren Bürgerſchule zu Wiesbaden ¹) adäquate, nach lokalen Verhältniſſen aber zu modi⸗ fizierende Einrichtung erhalten, zugleich aber auch die Vorbildung derer vollſtändig berückſichtigen ſollte, welche auf ein Gelehrten⸗ oder das Realgymnaſium übergehen wollten.“ ³) Es wurde demgemäß für alle diejenigen Schüler, welche ſich keinem gelehrten Be⸗ rufe zu widmen gedachten, der Unterricht in den bei⸗ den alten Sprachen für nicht mehr verbindlich erklärt. An ſeiner Stelle ſollte ein ausgedehnter Unterricht in den neueren fremden Sprachen, im Zeichnen, den mathematiſchen und naturhiſtoriſchen Fächern erteilt werden. Damit wurde die Anſtalt durch alle vier Klaſſen in zwei Hauptabteilungen, eine lateiniſche und eine realiſtiſche, zerlegt, welche in einem Teil der Lehr⸗ fächer gemeinſchaftlichen, in dem anderen geſonderten Unterricht erhielten. Die lateiniſche Abteilung der 1. Klaſſe zerfiel ſodann wieder in zwei Richtungen, von denen die eine diejenigen Schüler, die ſich für die Tertia des Gelehrtengymnaſiums vorbereiten, die an⸗
1) Heute heißt dieſe Schule„Reformrealgymnaſium“.— 2) Programm 1859 S. 4.
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