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ſchaftlich bedeutenden Abhandlung des hieſigen Pro⸗ rektors Adolf Schenck„Ueber den naturwiſſenſchaft⸗ lichen Unterricht“ i) mit den Worten:„Bekanntſchaft mit der Natur iſt alſo dem Menſchen ein Bedürfnis, und der Schöpfer hat ihm die ſichtbare Schöpfung als das erſte und allgemeinſte Bildungsmittel an⸗ gewieſen.“ Leider ſcheint aber in der Praxis die Verwertung dieſer modernen Ideen nichts weniger als allgemein geworden zu ſein.— Im einzelnen ſahen die Lehrpläne in der Arithmetik die elementaren Gegenſtände bis zum Ausziehen der Quadratwurzel, in der Geometrie bis zu dem Pythagoräiſchen Lehr⸗ ſatz und den regelmäßigen Vielecken vor. Bei den niedrigen Stundenzahlen und der Unzulänglichkeit der Lehrmittel war füglich eine Erweiterung der Lehrziele nicht zu erwarten und nicht zu erlangen.
Die Lehraufgabe der Geſchichte umfaßte eine Ueberſicht über das ganze Gebiet des Weltgeſchehens und unter dem beſonderen Geſichtspunkte der Er⸗ ziehung zu vaterländiſcher Geſinnung eine eingehende Behandlung der Geſchichte des Herzogtums. Daß das Ergebnis dieſes Unterrichtes in der Weltgeſchichte nur lückenhaft ſein konnte, iſt bei der Zahl der Stunden, die ſich anfangs auf je 2 in den Klaſſen 2 und 1 beſchränkte, nur zu erklärlich. Erſt von 1837 ab wurden auch der 3. und 4. Klaſſe je 1 Stunde, von Oſtern 1838 ab je 2 Stunden zugeteilt. Da nach der geiſtigen Entwicklungsſtufe 10— 14jähriger Knaben das biographiſche Intereſſe vorherrſchend iſt, ſo verſuchte der Unterricht ausſchließlich an der Hand der Lebensbilder der großen Männer den Entwick⸗ lungsgang der Geſchichte aufzuzeigen. Dabei nahm die Darſtellung der alten Geſchichte einen ſo über⸗ wiegend breiten Raum ein, daß die deutſche Ge⸗ ſchichte mit dem Reformationszeitalter oder gün⸗ ſtigſten Falles mit dem weſtfäliſchen Frieden zum Ab⸗ ſchluß gebracht wurde. Dieſe Ueberſchätzung des Wertes der Antike wird trefflich charakteriſiert, wenn in der ſchon genannten Wiesbadener Pro⸗ grammſchrift von 1838 der Verfaſſer zu dem pathe⸗ tiſchen Schluß kommt(S. 28):„Wenn dann der Knabe mit tiefer Wehmut die Freiheit dieſer Völker ſinken ſieht und naſſen Blickes die Gefilde von Chäronea betritt, wenn er mit hoher Begeiſterung Marathon und Salamis erſchaut, wenn er die viel⸗ geprüften, bis ins Greiſenalter unbeugſamen Helden von Cannae mit inniger Teilnahme durch Helve⸗ tiens Eisfelder und durch die brennenden Sandwüſten begleitet, wenn er im gerechten Unwillen Karthagos und Korinths rauchende Trümmer verläßt, wenn er mit tiefem Schmerz Griechenlands und Roms Kultur in die Nacht der Barbaret verſinken und die erhabenen Werte alter Kunſt von roher Hand zertrümmert ſieht—, dann betritt der Lehrer den rechten Pfad, dann durchweht ſeinen Unterricht der Geiſt der Humanität, dann iſt der Knabe auf immer
gewonnen.“ Nicht minder bedenklich wie dieſe Zurück⸗ ſetzung der Geſchichte des eigenen Volkes ſind ferner einige methodiſche Bemerkungen zum Geſchichtsunter⸗ richt, wenn wir in einer anderen Programmabhand⸗ lung ²) z. B. die Anweiſung finden:„Während des Unterrichts werden die Perioden der Univerſal⸗ geſchichte gelegentlich auswendig gelernt, wenngleich ihre Bedeutung noch nicht verſtanden werden kann, und an berühmte Männer angeknüpft.“ Der Ver⸗ faſſer äußert zwar gleich ſelbſt das Bedenken, „es werde dem denkenden Lehrer nicht entgehen, daß die Bilder, welche er den Knaben vorführt, gar zu oft verſchwimmen“, gleichwohl aber müſſe der von ihm empfohlenen Methode vor der„zu ſehr ſaft- und kraftloſen, früher nur zu gewöhn⸗ lichen ſynchroniſtiſchen Manier“ der Vorzug gegeben werden. Als Lehrbuch wurde der„chonologiſche Ab⸗ riß der Weltgeſchichte für die Jugend“ von Kohl⸗ rauſch(2. Aufl. 1815), benutzt, doch ſollte nach Meinung des Konrektors Snell ³) überhaupt kein Lehrbuch in den Händen des Schülers ſein, ſon⸗ dern nur ein Heft, in das er die wichtigſten Jahres⸗ zahlen mit Angabe einiger Namen einzutragen habe, die ihm der Lehrer diktiere.
War noch von Muth ⁴) der Erdbeſchrei⸗ bung als einem Lehrfach, das„als Hilfswiſſen⸗ ſchaft der Geſchichte vorangehen ſoll“, eine ſelbſtän⸗ dige Bedeutung im Lehrplan der Pädagogien ab⸗ geſprochen worden, ſo haben ſich die Meinungen über den Wert dieſes Faches ſehr bald geändert. In ſeiner vorgenannten Abhandlung weiſt Snell ⁵) der Erdkunde eine durchaus ſelbſtändige Stelle zu, wenn er nach ausführlichen methodiſchen Bemerkungen, die wir, wenigſtens ſoweit ſie die Notwendigkeit der Anſchauung gerade in der Erdkunde ſtark betonen, noch heute gutheißen können, die Bedeutung derſelben in fol⸗ gende Worte zuſammengefaßt:„Auf dieſe Art hat der Knabe für das große Ganze der Erdkunde einen lebendigen Mikrokosmus in allen ſeinen Teilen in ſich. Werde nun der Knabe, was er einſt wolle, ſo möge ihm der Unterricht in der Erdkunde in den folgenden Kurſen(gemeint ſind die oberen Klaſſen des Pädagogiums und der anſchließende Gymnaſialkurſus), indem er ihn in dem unermeß⸗ lichen Gebäude der ſublunariſchen Welt orientiert, mit den vielartigen Bewohnern und ihrem Tun und Treiben vertraut und ſo allmählich in dem ganzen großen Familienhauſe heimiſch macht, auch außer dem Intereſſe an dem Schönen und Herr⸗ lichen dieſer Gotteswelt noch für ſeinen beſonderen Beruf Wichtiges auf die große Lebensreiſe dar⸗ bieten!“ Weniger einverſtanden wird der heutige Lehrer dieſes Faches mit der Anweiſung ſeines älteren Fachgenoſſen ſein, daß die Elementargeo⸗ graphie zuerſt die Grundzüge einer Darſtellung des Weltganzen mit Erklärung der Bewegung der Erde
1) Progr. Dillenburg 1841 S. 33.— 2) Mencke(ſ. 2. T. AIl b 6)„Ueber die Notwendigkeit und Methode L aiderſalhiſtorichen Unterrichts 24 f.
auf den niederen und höheren Gelehrtenſchulen 1839.— 3) Snell a. a. O. S. 28.— 4) a. a. O
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. S. 19.— 5) a. a. O. S.
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