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weiſungen nicht erteilt worden, hier blieb es den einzelnen Anſtalten überlaſſen, nach eigenem Gut⸗ dünken zu verfahren. Es möge hier eine Ueberſicht der den einzelnen Lehrfächern zugewieſenen Stunden⸗ zahlen folgen, wie ſie ſich aus dem Dillenburger Programm des Jahres 1820/21(S. 15) ergibt:
Lehrfächer mit Stundenzahlen.
. 3 2== 2 8 Lehrfä cher—— 8 ☛ A. Sprachunterricht: 1 Deutſche Sprache....... 5 3 2 2 12 2 Franzöſiſche Sprache......— 2 2|2 6 3 Lateiniſche Sprache...... 7 8 7[8 30 4 Griechiſche Sprache.......—— 4*4 6 B. Wiſſenſchaftlicher Unterricht: 1 Allgemeine Religion...... 2 3 5 2 Arithmetik.......... 3 3 3 /[2 11 3 Geometrie.......... 1 1 2 2 6 4 Naturkunde.......... 2 2 2 2 8 5 Erdbeſchreibung........ 2 2 2 2 8 6 Geſchichte..........—— 2 2 4 C. Kunſtübungen: 1 Kalligraphie......... 3 3 2 2 10 —— 2 Zeichnen.......... 2 2 2 6 —.——— 3 Geſanglehre......... 2 2 ———— 1 Konfeſſioneller Religionsunterricht. 2 2 *) Nur im Winter. 31 32 35 37
Dieſe Stundentafeln, mehr noch die in den einzelnen Programmen gegebenen Ueberſichten über die in jedem Schuljahr erledigten Lehrgegenſtände laſſen erkennen, daß das neue Schulweſen von den beiden damals mit einander ringenden pädagogiſchen Hauptſtrömungen beherrſcht iſt, von der auf Rouſſeau aufbauenden Bewegung des Philanthropinismus, der in der Naturgeſchichte, Mathematik und auf das Praktiſche gerichteten Unterweiſung die wichtigſte Seite des Unterrichts erblickte, und dem Humanis⸗ mus, der in dem Studium der alten Sprachen die Beförderung rein menſchlicher Bildung erſtrebte und jene Verſchmelzung von deutſchem und Juutanan Geiſte zuſtandebrachte, die wir an den beſten Werken unſerer großen Dichter bewundern. Daß beide Richtungen im höheren naſſauiſchen Schulweſen zur Geltung kamen, erhellt zur Genüge ſchon daraus, daß der Organiſator desſelben, der genannte Ober⸗ ſchulrat Schellenberg in dem von Auguſt Niemeyer, dem durch Peſtalozzi beeinflußten Reformator der Aoltsſämen, und von dem Philologen Friedrich Auguſt Wolf geleiteten Seminar in Halle ſeine päda⸗ gogiſche und philologiſche Ausbildung erhalten hatte. Die bewußte Ueberbrückung der in beiden Syſtemen liegenden Gegenſätze iſt übrigens ganz deutlich
ausgeſprochen in der Programmbeilage des ehe⸗ maligen Dillenburger Konrektors und katholiſchen Pfarrers, ſpäteren Wiesbadener Rektors, Joſeph Muth, ¹) der ſeine Abhandlung:„Wie ſollen wir die klaſſiſchen Werke der Alten ſtudieren? mit be⸗ ſonderer Hinſicht auf die Pädagogik“ ²) abſchließt mit den Worten:„So hat man die Vorwürfe nicht zu befürchten, welche der Einſeitigkeit zweier Schulen, der ſogenannten humaniſtiſchen und der philanthropiſchen gemacht worden ſind. Zwiſchen beiden, von welchen die erſtere die Werke der Alten überſchätzt und die letztere dieſelben zu gering an⸗ ſchlägt, führt die Wahrheit in der Mitte zum Ziele.“ Das aus beiden pädagogiſchen Strömungen reſul⸗ tierende Bildungsideal iſt in Einklang gebracht mit dem doppelten Ziele der naſſauiſchen Pädagogien, das ſich aus§ 17 des Schuledikts ergibt und durch eine frühere Verfügung der Landesregierung bereits dahingehend feſtgelegt war, daß dieſe Schu⸗ len entweder„ein geſchloſſenes Ganzes ausmachen, wenn der Schüler aus ihnen ſogleich in das praktiſche Leben übertritt, oder nur vorbereitend ſind, wenn er noch in eine Spezialſchule oder das Gymnaſium übergehr. 3) Mit der Feſtlegung auf dieſe Bil⸗ dungsziele iſt die Anſtalt gänzlich ihres einſtigen Ranges als unmittelbare Vorbereitungsanſtalt für die Univerſität entkleidet und zu einer, wie ſie ſich ſelbſt nennt, 4)„gelehrten Vorſchule“ herabgeſunken.
Um die Eigenart dieſer Schule kennenzulernen, ſei es erlaubt, im folgenden etwas genauer auf die Lehrverfaſſung derſelben einzugehen, wie ſie ſich nach den vorhandenen Unterlagen, ins⸗ heſen ere den vorliegenden Jahresberichten dar⸗ ſtellt.
Die Lehrgegenſtände ſind darin gegliedert in drei größere AÄbteilungen, die den Sprach⸗ unterricht(Deutſch, Franzöſiſch, Lateiniſch, Grie⸗ chiſch), die„wiſſenſchaftlichen“, ſpäter mit „Sachunterricht“ bezeichneten Fächer(allgemeiner Religionsunterricht, Mathematik, Naturwiſſenſchaf⸗ ten, Erdbeſchreibung, Geſchichte und konfeſſioneller Religionsunterricht) und die„Kunſtübungen“ umfaſſen.
1. Sprachunterricht.
Ein beſonderer Vorteil trat trotz dieſer Rück⸗ bildung der Pädagogien zu gelehrten Vorſchulen un⸗ zweifelhaft darin zu Tage, daß das deutſche Volk, zu⸗ mal in den weſtlichen Kleinſtaaten, die die Fauſt Na⸗ poleons am drückendſten empfunden hatten, mit dem Schwunge der nationalen Begeiſterung von 1815 her ſich allmählich immer mehr auf ſeine heiligſte Pflicht, die Pflege der deutſchen Mutterſprache, be⸗ ſann. Man hatte ſie bis dahin in den gebildeten Kreiſen neben den alles beherrſchenden beiden klaſſt⸗
1) Siehe 2. T. Al b.— 2) Programm der naſſ. Pädagogien 1824.(Dieſe erſchienen aus Sparſamkeitsrückſichten in den Jahren 1821— 39 in einem Heft, in dem jedesmal einer der Rektoren nach 4 19 des Schuledikts eine pädagogiſche Abhandlung zu liefern hatte.— 3) Verfügung der Landes⸗ regierung vom 25. 2. 1817(Paehler S. 8).— 4) Vergl. Programmauſſchrift 1821.
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