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Der kirchliche Sinn der wohlhabenden Bewohner betätigte ſich in frommen und milden Stiftungen. Wenzel Drunkel und ſeine Ehefrau Gudel ſtifteten 1336 in der Altſtadt nächſt dem öſtlichen Tore der Stadt Dieburg ein Hoſpital, das im Laufe der Zeit noch mit mancherlei Schenkungen ausgeſtattet wurde. Im Jahre 1816 wurde das Gebäude zur Schule umgewandelt, die nach den damaligen Begriffen gar„geräumig und ſchön““ war. Noch hält die Spitalgaſſe die Erinnerung an den einſtigen Zweck des Ge⸗ bäudes wach.
Mit dem Spital war auch eine Kirche verbunden, durch die Drunkelſchen Eheleute für einen Kaplan„hospitalista“ dotiert. Nahe der heutigen Pfarrkirche ſtand die Katharinenkapelle,? eine Stiftung des Vogtes Rudolf Beckenhuber von 1291; 1477 ſtiftete die Bürgerſchaft ein in der Katharinenkapelle täglich zu ſingendes Salve regina, woher ſie den Namen Salve⸗Kirche erhielt; 1740 wurde ſie abgebrochen, und der Platz dem Pfarrer zum Garten überwieſen. Die Pfarrkirche ad S. Petrum et Paulum ſtand zu Altenſtadt. 10 Stiftungen und Altäre kennen wir von ihr. Der zum hl. Laurentius mit einem ſeit 1376 urkundlich vorkommenden Benefiziaten iſt eine Stiftung der Groſchlagſchen Familie, die dort ihr Erbbegräbnis hatte. Dem langen Beſtand der Familie— ſie erloſch erſt am 25. Mai 1799— verdanken wir die Erhaltung des Altars im ſüdlichen Flügel der Kirche.
Etwas ſüdlich vor der Pfarrkirche ſtand die am 15. Auguſt 1232 mit Erlaubnis des Erzbiſchofs Siegfried III. von Mainz von einem Biſchof Wilhelm eingeweihte Muttergottes⸗Kapelle mit zwei Altären; das Muttergottesbild darin wurde 1491 ein⸗ geweiht.“
Wegen Baufälligkeit wurde dieſe Kapelle 1697 teilweiſe niedergelegt, der übrige Teil durch einen Flügel mit der Pfarr⸗ kirche verbunden. Da wo gegenwärtig der Hochalter und der Turm ſtehen, war der Haupteingang der alten Pfarrkirche, wo jetzt die Orgel, ſtand früher der Hauptaltar in regelmäßig öſtlicher Richtung.
Im Jahre 1291 erſcheinen die Minoriten in Dieburg; im Anfang des 14. Jahrhunderts erbauen ſie in der Nähe der Katharinenkapelle eine Kirche. In den Stürmen der Reformations⸗ zeit verödete das Kloſter; ſein letzter Guardian war Wendelin Roth, ein Dieburger; er fand in der Kirche 1565 ſeine letzte Ruheſtätte; die Kirche wurde 1569 vom Kurfürſten der Stadt überwieſen und zur Pfarrkirche beſtimmt.
1 Steiner: S. 142.
2² Steiner: S. 25.
² Steiner: S. 64. Note 8. Dr. Bruder: Wallfahrtsbüchlein. Zur Erinnerung an das vierhundertjährige Wallfahrts⸗Jubiläum 1891. S. 23 ff.


