Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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3. Am Vorabend der Reformation: Diether von Iſeunburg.

Mißbrauch des geiſtlichen Amtes zu weltlicher Herrſchbegier, Häufung der kirchlichen Pfründen in einer Perſon, Höhe der Geldſummen, die nach Rom floſſen in Form von Annaten und Zehnten, das waren wunde Punkte der kirchlichen Verwaltung unmittelbar vor der Reformation, ſie waren der Gegenſtand der Beſchwerden der deutſchen Nation.

Wie ſehr es ſchon vor dem Auftreten Luthers in der Kirche ſtürmte und gährte, das ſehen wir ſo recht an der Stellungnahme des Mainzer Kurfürſten Diether von Iſenburg, deſſen Name mit der Geſchichte Dieburgs ja eng verknüpft iſt.i

Etwa 1412 geboren, erſcheint Diether ſchon im Jahre 1427, alſo mit 15 Jahren, als Domherr zu Mainz; mit 30 Jahren be⸗ ſaß er Pfründen in den Domſtiften zu Köln und Trier und die Propſteien der Stiftskirchen von St. Viktor und St. Johann in Mainz; dabei verſtand er kaum das eine oder andere Wort Latein, ſo gering war ſeine theologiſche Bildung.

Am 18. Juni 1459 wurde er zum Erzbiſchof von Mainz gewählt mit einer Stimme Mehrheit, die noch dazu durch Simonie gewonnen ſein ſoll; Adolf von Naſſau war ſein Mitbe⸗ werber geweſen. Papſt Pius II.² forderte Diether auf, perſönlich nach Rom zu kommen, ſeine Beſtätigung zu holen; 20 550 rheiniſche Gulden ſollte er Palliumgeld(Annate) zahlen; römiſche Geldwechsler ſchoſſen das Geld vor.

Diether erſchien weder bei der Kurie, noch zahlte er die Annaten. Die kleine Exkommunikation war die Folge; er kehrte ſich nicht daran. Der höchſte geiſtliche Würdenträger Deutſchlands trat an die Spitze der Gegner Roms; in ſeine Dienſte nahm er am 22. Februar 1461 einen Mann, deſſen ganzes Wirken aufging im Haß gegen Rom und gegen den Papſt Pius II.: Gregor Heimburg, ſeit Herbſt 1461 im Kirchenbann. Diether von Iſen⸗ burg war mit Gregor von Heimburg die Seele des Fürſten⸗ tages zu Nürnberg, Ende Februar 1461, woſelbſt die antipäpſt⸗ liche Politik ſcharf hervortrat. In einem öffentlichen Manifeſte wurde Klage geführt über die Übermacht des Papſtes, über die vielen Abläſſe und Gnaden, wodurch die Schatzkammern frommer Gemüter ausgeleert würden, und über die übermäßigen Annaten⸗ forderungen. Der Fürſtentag verlangte zum Schluß(6. März) ein allgemeines Konzil.

Menzel, K.: Diether von Iſenburg, Erzbiſchof von Mainz 1459 63; Erlangen 1868.

² Paſtor, L.: Geſchichte der Päpſte ſeit dem Ausgang des Mittel⸗ alters; 2. Band, Freiburg 1889.

² Paſtor L.: Geſchichte der Päpſte, Band 2. Erſtes Buch, Abſchnitt IW: Auflehnung gegen die päpſtliche Autorität in Deutſchland.