Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

ihre Kapelle, der allerſeligſten Jungfrau geweiht, eine Rotunde, ſoll ein römiſcher Tempel geweſen ſein; zur ſtattlichen Wallfahrts⸗ kirche erweitert, behielt ſie die Jahrhunderte hindurch den Namen Kapelle. Holzhauſen zunächſt bei der Vorſtadt Steinweg, und Werlachen, die 1429 noch vorkommen, ſind verſchwunden. Der dritte Vorort war das Minnefeld, Mönfeld, das in älteren Ur⸗ kunden Minifeld, Wonnivelt, Wunnivalt heißt. Wie unter Karl dem Großen der Mai Wonnemonat d. i. Weidemonat genannt wurde, ſo haben wir in dem Wonnefeld nichts anderes als Wieſen⸗ und Weidefeld zu ſehen. Wie leicht übrigens irreführende Namen durch dialektiſche Färbung entſtehen können, möge ein Beiſpiel be⸗ weiſen. Wir haben hier eine Badgaſſe; im Volksmund heißt ſie Bäregaß(entſtanden aus Bädergaſſe).

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts finden wir Dieburg im Beſitz der Erben des Büdinger Landes. Die Büdinger Dynaſten ſtarben in männlicher Linie 1247 mit Gerlach von Büdingen aus, vorher alſo muß Dieburg an das Büdinger Land gekommen ſein; wie, wiſſen wir nicht.

Die Büdinger Erben, Ludwig von Iſenburg und Gottfried von Bruneck, verkaufen nun ihre Anteile an Dieburg in den Jahren 1284 bis 1310 nach und nach an das Kurfürſtentum Mainz, an die Erzbiſchöfe Heinrich II., Gerhard III. und Peter von Aichſpalt von Mainz.

So kam Dieburg an Mainz und blieb, kleine Unterbrechungen abgerechnet, bei ihm bis zum Untergang des Kurſtaates.

Mit der Zugehörigkeit zu dem mächtigen Kurfürſtentum wurde Dieburg Teil eines Großſtaates und erfuhr all die Lebens⸗ kraft, die von einem ſtarken Gemeinweſen auf ſeine Glieder aus⸗ ſtrömt. Auf Bitten des Erzbiſchofs Matthias von Mainz erlaubt König Ludwig IV., der Bayer, am 1. Februar 1325, daß in der Stadt Dieburg ein Jahrmarkt abgehalten werde, 14 Tage vor Michaeli. Erzbiſchof Gerlach erhebt 1368 Dieburg zu einer Münzſtadt. Auf den Zollſtätten am Rhein und Main ſoll das Dieburger Geld angenommen werden, auch bittet der Erzbiſchof die benachbarten Reichsſtädte, die Dieburger Währung anzuerkennen.*

Kaiſer Maximilian l. bewilligte am 15. Mai 1495 der Stadt Dieburg einen weiteren Jahrmarkt auf Sonntag nach Mariä Reinigung, 8 Tage vor und 8 Tage nachher zu halten, und ge⸗ währt den Beſuchern dieſes Jahrmarktes verſchiedene Vergünſti⸗ gungen; ebenſo ſpäter noch einen auf Peter und Paul.*

So konnte Dieburg unter dem Schutz ſeiner Fürſten ſich als blühendes ſtädtiſches Gemeinweſen entfalten.

1 Steiner, Geſchichte der Stadt Dieburg. S. 178 Nr. 87 mit S. 59.

* Ebenda S. 179 Nr. 88 mit 60.

Ebenda S. 180 Nr. 92 mit S. 60 und 64 Note 8.

G