Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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Wirtſchaft von Kölliſch auf die Hauptſtraße Dieburgs und wird die vorher erwähnte Römerſtraße auf dem alten Friedhofe ge⸗ kreuzt haben; dieſe aber lief vermutlich in nordweſtlicher Richtung (eine Straße dort führt heute noch den NamenRömerſtraße) weiter über die Gerſprenz nach dem tonreichen Walde von Urberach. Schon auf altägyptiſchen Wandgemälden und in der Ilias findet ſich die Kunſt, auf der Drehſcheibe Tongefäße zu bilden. Daß die Römer dieſe Kunſt im hieſigen Gelände ausübten, unterliegt bei den günſtigen Bodenverhältniſſen keinem Zweifel. Schon Steiner? erwähnt die Auffindung eines römiſchen Töpferofens auf einem dem Grafen von Lerchenfeld gehörigen, hinter der Kapelle am Wege liegenden und auf die Kirchhofsmauer ſtoßenden Acker. Im 12. und 13. Jahrhundert aber überſchwemmten die Bewohner von Urberach, Oberroden und Dieburg die ganze Um⸗ gegend mit Häfnerwaren. In Oberroden und Dieburg ſind zwar jetzt die Häfnereien faſt gänzlich verſchwunden, wenn auch der NameDieburger Geſchirr ſich auf den Meſſen erhalten hat, da⸗ gegen blühen ſie noch vor allem in Urberach und auch in Epperts⸗ hauſen.

Urberach, woher dein Name? Wie wäre es, wenn wir uns der Theorie der Sprachforſchung näherten, die Wilhelm Meyer⸗Rinteln im Jahre 1905(Grunow, Leipzig) veröffentlichte?³ Der Bach bei Urberach heißt Rodau(Rotaha= roter Bach). Nach Meyer⸗Rinteln erlaubt das zweite Geſetz der Wurzelab⸗ wandlung(kurz das Geſetz der Metatheſis genannt), den Lauten in einer Wurzel jede beliebige Stellung einzunehmen(z. B. gut und Tug⸗end, Hir⸗ſch und Reh). Nehmen wir nun an, daß ſchon die Römer den dortigen Bach als roten bezeichnet haben, ſo kann aus rubra aqua mit Leichtigkeit urb(e)ra aqua geworden ſein.

Diehl.

1 XVIII. B. 600.

² Geſchichte und Topographie des Maingebietes und des Speſſarts unter den Römern, 1834 S. 240.

s Vergl. auch Schulze im Geogr. Anzeiger 1906, Heft 10, S. 222 ff.

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