Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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Dr. Henkel zu Worms heute annimmt, als die Pflaſterung eines nach einer größeren baulichen Anlage hinführenden Fußſteigs auf⸗ zufaſſen ſein. Er ſchrieb mir darüber am 24. Juni l. J.:Den in Dieburg aufgedeckten durchaus gleichartige Sandſteinplatten ſah ich im Jahre 1902 bei meinem erſtmaligen Beſuch von Trier in den dortigen Thermen, wo ſie nach der mir jetzt zugekommenen Mitteilung des Herrn Dr. Krüger, Direktor des Trierer Provinzial⸗ muſeums, die Pflaſterung der Lichthöfe bilden. Die Platten ſind dort, in großer Maſſe dicht aneinandergeſchoben, zum Belag großer viereckiger Räume verwendet. Da ſie in Dieburg in gerader Linie fortlaufend und nur einzeln hintereinander gereiht lagen, kann an den Belag eines in ſich geſchloſſenen Raumes nicht ge⸗ dacht werden. Ob ſie hier etwa den nördlichen Zugang zu der Tempelanlage bildeten, von der ſich Reſte noch in der Vorhalle der jetzigen Wallfahrtskirche befinden ſollen, wird ſich nach der troſtloſen Zerſtörung antiker Baureſte, wie ſie noch in den letzten Jahrzehnten zur Gewinnung von Bauſteinen geübt wurde, mit Sicherheit wohl nicht mehr feſtſtellen laſſen.n

5. Was die alten Straßenzüge anbelangt, die geradezu das Skelett jeglicher Verkehrs⸗ und Beſiedelungsgeſchichte eines Landes bilden und bisweilen klarer als die Kaſtelle ſelbſt die Abſichten der oberſten Heeresleitung verraten,? ſo iſt zunächſt dieHohe Straße zu nennen, die von Gernsheim über Pfungſtadt und Dieburg nach Stockſtadt und Niedernberg führte und im hieſigen Forſte noch wohl erhalten iſt. Eine zweite alte Straße wurde bei den Fundamentierungsarbeiten zu den Häuſern der Herren Spieß und Bonifer aufgedeckt. Die Richtung der dort ange⸗ troffenen Straßenſtücke an der Nordſeite der jetzt von der Stadt heraus nach Altheim führenden Chauſſee entſpricht denjenigen Straßenreſten, die man auf der Südſeite in dem Vorgarten des Herrn Völker und dieſer Stelle gegenüber(öſtlich der Chauſſee Groß⸗Umſtadt⸗Münſter) außerhalb der Oberförſterei vor deren ſüdlicher Umfaſſungsmauer feſtgeſtellt hat. In der weſtlichen Verlängerung dieſer Straßenreſte wurde ebenfalls, und zwar auf dem alten Friedhofe, bei der Anlage von Gräbern Straßen⸗ pflaſter angetroffen. Vor der Drehung nach Nordweſten dürfte dieſe Straße in direkt nördlicher Fortſetzung nach der porta prin- cipalis dextra geführt haben. Eine dritte alte Straße trifft, von Klein⸗Zimmern kommend, zwiſchen dem Arbeitshaus und der

Vielleicht bei dem nahe bevorſtehenden Umbau der Wallfahrts⸗ kirche.(Diehl.)

² Schumacher, die Erforſch. des röm. und vorrömiſchen Straßen⸗ netzes in Weſtdeutſchland S. 11.

² Quartalblätter N. F. I. S. 441.

4 Ebenda S. 759.