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Vicus Viviscorum geheißen haben. Ob dieſer vicus der Haupt⸗ ort einer civitas, einer Gaugemeinde, geweſen iſt, läßt ſich nicht feſtſtellen.
2. Ferner wurde vor mehr als 30 Jahren von dem Vater des Landwirts Franz Scherer auf ſeinem an der Chauſſee nach Gundernhauſen gelegenen Acker in einem verſchütteten ausge⸗ mauerten Brunnen, den er im oberen Teile ausbrach, der 1,30 m hohe obere Teil einer geſchuppten Säule gefunden.“ Der Schaft verjüngt ſich allmählich nach oben und geht in ein Phantaſiekapitäl über. Zwiſchen den Akanthusvoluten der Ecken befindet ſich in der Mitte jeder Seite eine Büſte; zwei von ihnen ſind gut er⸗ halten. Am Kapitäl der Heddernheimer Säule des Frankfurter Muſeums ſind zwei Büſten als männlich, zwei als weiblich er⸗ kennbar. Sie werden als die Gottheiten der Tageszeiten aufge⸗ faßt. Demnach hätten wir in der verſchleierten Büſte einer alten Frau die Nacht, in der jugendlichen männlichen Büſte den Morgen zu erblicken. An einer der beſchädigten Ecken des Kapitäls be⸗ findet ſich noch ein Reſt von einem Dollenloch, das dazu gedient haben wird, eine Eiſenſtange aufzunehmen, welche die nach oben abſchließende Gruppe mit dem weit nach vorn übergebeugten, zu Pferde dahinſprengenden Jupiter ſtützte und vorm Abſturz be⸗ wahrte. Die völlige Ausgrabung jenes Brunnens hatte leider nicht das gewünſchte Ergebnis; außer römiſchen Gefäßſcherben wurde nichts Nennenswertes zutage gefördert. Das Mauer⸗ werk des Brunnens war ohne Roſt direkt auf den Kiesboden aufgeſetzt.
3. Auch beim Bau der Nebenbahn Offenbach⸗Dieburg⸗Reinheim (vollendet 1896) wurde in der Dieburger Gemarkung ein Werkſtück von Sandſtein aufgefunden, das, 0,20 m lang, 0,13 m breit und 0,095 m dick, in ſeiner äußern Bearbeitung ſich als Gewandſtück darſtellt und mit ſeiner bogenförmigen Geſtalt an den fliegenden Mantel Jupiters auf der Schierſteiner Gigantenſäule erinnert.? Viel⸗ leicht gehört dieſes Stück zu einer noch im Boden ruhenden Jupiter⸗ ſäule. Möge ſie eines Tages ein glücklicher Zufall zutage fördern, wie vor drei Jahren ihre Schweſter auf dem Gerſterſchen Zimmer⸗ platz zu Mainz, die heute die großartigſte Zierde des Mainzer Muſeums bildet!
4. Im April und Juni 1894 kamen bei den Fundamen⸗ tierungsarbeiten zu einem Neubau des Herrn Zimmermeiſters Seib, nahe der Oſtmauer des alten Friedhofs, und in dem hinter dieſem Neubau gelegenen Gartengelände mehrere mächtige Sand⸗ ſteinplatten zum Vorſchein.“ Sie dürften, wie Herr Profeſſor
1 Quartalblätter N. F. I. S. 760.
² Ebenda S. 760.
8 Ebenda S. 440 u. 754— 757 mit Tafel 30 u. 31.


