kanntlich die römiſchen Kaſtellſtätten als Krongut an ſich gezogen und ſpäter an Vaſallen verliehen haben. Wir wiſſen, daß dieſe Könige der Jagdliebhaberei wegen auch in unſere Gegend kamen und von dem Jagdſchloß Aſchaffenburg aus die Bannforſte des Speſſarts und des Odenwaldes benützten, daß Reichsvillen in Um⸗ ſtadt, Dieburg, Seligenſtadt angelegt wurden, in deren Umkreis das Land urbar gemacht werden mußte, um dadurch teils die Domanialeinkünfte zu vermehren, teils auch der Jagd und den Wanderungen von einem Orte zum anderen den nötigen Spiel⸗ raum zu verſchaffen.
In der Nachbarſchaft der Limes⸗Kaſtelle entſtanden große bürgerliche Anſiedelungen(canabae), die im Laufe der Zeit ſich vielfach zu kleinen Städtchen ausgewachſen haben. Die römiſchen Veteranen, denen zum Lohne für ihre Dienſte Ländereien ange⸗ wieſen wurden, machten das Feld urbar und legten Wohnungen an; außerdem erforderte es die Kriegszucht, daß der Soldat, auch wenn die Waffen ruhten, immer beſchäftigt war. Gebäude auf⸗ führen, Straßen anlegen, Felder bearbeiten, das war das Mittel, den Krieger vor Müßiggang und Ausſchweifungen zu bewahren und ſo für die Strapazen des Feldzuges ſtets bereit zu halten.W— Damit war noch die weitere Abſicht verknüpft, die Liebe zum heimatlichen Boden zu wecken und ſo die Vaterlandsliebe zu fördern. Hier waren alſo, nachdem Kaiſer Trajan den vicus wiederhergeſtellt hatte, die römiſchen Krieger auch als Bürger an⸗ geſiedelt und ganz zu Hauſe; die germaniſchen Bewohner und die keltiſchen Reſte vermiſchten ſich mit ihnen und nahmen römiſche Religion und Sitten an. So hat wohl auch am hieſigen Orte ein Mithräum geſtanden. Leider ſind die Anhaltspunkte für dieſe Annahme noch recht gering.
Lange hatten ſich die Römer im Dekumatenlande der Ruhe nicht zu erfreuen. Im Anfang des 3. Jahrhunderts erſcheinen mehrere vereinigte Völkerſchaften ſuebiſchen Stammes unter dem Namen Alamannen am Maine und werden 211 von Caracalla beſiegt. Auch Maximinus Thrax ſcheucht ſie noch einmal 237 von den Grenzen zurück. Aber ums Jahr 260 durchbrechen ſie den Limes und ergreifen Beſitz von dem ganzen Dekumatenlande. Sehr viele villac rusticae(jene kleineren oder größeren Meierhöfe von Vete⸗ ranen und ſonſtigen Koloniſten), namentlich im Neckargebiet, zeigen deutlich die Spuren des Brandes, der ſie beim Anſturm der Alamannen in Schutt und Aſche legte, während dies in der Wetterau weniger der Fall zu ſein ſcheint.“ Allerdings macht Probus(276—282) noch
1 Steiner, Altertümer u. Geſchichte d. Bachgaus S. 38.
² Ebenda S. 9.
8 Quartalblätter N. F. I. S. 753 u. 754.
* Schumacher, Aufg. d. Forſch. u. Grabung in Südweſtdeutſchland S. 14.


