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Querſtraßen, die, die Längsſtraßen durch die Rheinebene kreuzend, für den Verkehr zwiſchen den linksrheiniſchen Teilen der Provinz und den Kaſtellen am Limes im militäriſchen Intereſſe beſonders notwendig waren.“ In Dieburg ſpaltete ſich die Straße in zwei Aſte, deren einer nach dem Kaſtell und dem Mainübergang bei Stockſtadt und mit einer Abzweigung nach Seligenſtadt führte, der andere nach dem dritten Kaſtell am Main, nach Niedernberg. Ob das weiter flußaufwärts gelegene Obernburg und die Kaſtelle im Odenwald gleichfalls durch direkte Wege mit der Rheinebene in Verbindung ſtanden, iſt unbekannt. Wenn alſo ein römiſches Heer von Mainz oder von dem alten Rheinübergang bei Gerns⸗ heim her über Pfungſtadt gegen den Main ziehen wollte, gab da nicht Dieburg einen geeigneten Stützpunkt für die militäriſchen Operationen ab, eine Etappe, wo die Soldaten, deren Belaſtung 20 kg betrug, nach einem ermüdenden Tagesmarſch ſich erholen konnten, um dann neu geſtärkt durch die porta praetoria im Oſten weiterzuziehen? Wenn in Dieburg ein Römerkaſtell ge⸗ weſen iſt, das in derſelben Zeit wie Groß⸗Gerau, ſpäteſtens unter Domitian oder Trajan entſtanden ſein dürfte, ſo lag es öſtlich der Frankfurterſtraße, auf den ſogen. Blutäckern.“ Was dieſen Namen anbelangt, ſo iſt er in chriſtlichem Sinne zu deuten. In der Nähe ſteht heute noch das ſogen.„Blutshäuschen“, wo die Walldürner Wallfahrer alljährlich kurze Raſt machen.“
Fabricius, Neujahrsblätter der Bad. Hiſt. Kommiſſion S. 71.
*Quartalblätter d. Hiſt. Vereins, N. F. I S. 758 u. 759.
³ Herr Dr. Bruder ſchreibt darüber:„Die 17 Morgen„Blutäcker“ wurden geſtiftet zu gunſten der Walldürner Wallfahrt zum heiligen Blute Chriſti. Das Heilig⸗Blutswunder zu Walldürn ereignete ſich im Jahre 1330. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts beſtand ſchon die Wallfahrt nach Walldürn. Im Jahre 1406 wird Walldürn zu den berühm⸗ teſten Wallfahrtsorten gezählt(Rom, Santiago de Compoſtela, Aachen, Trier, Walldürn). 1408 und 1445 wurden ſtrenge gerichtliche Unter⸗ ſuchungen von der kirchlichen Behörde über das Wunder geführt. Auf Grund derſelben bewilligte Papſt Eugen IV. 1445 einen Ablaß allen“ denjenigen reumütigen Chriſten, welche nach abgelegter Beichte in der Oktav von Fronleichnam von der erſten Veſper bis zur zweiten ein⸗ ſchließlich die Kirche zu Walldürn beſuchen und zu deren Bau einen Beitrag liefern. Die Wallfahrt war ſtets ſehr ſtark beſucht. Große Prozeſſionen zogen und ziehen noch alljährlich dorthin, z. B. aus Würz⸗ burg, Mainz, vom Hunsrück, Weſterwald, aus dem Naſſauiſchen, ſogar aus der Gegend von Köln. Kleinere Prozeſſionen ſind noch zahlreicher, 3. B. die Dieburger, Jügesheimer uſw. Die Prozeſſionen wurden größtenteils über Dieburg geführt, wo ſie Raſt machten. Morgens in aller Frühe zogen ſie weiter. Am Heilig⸗Blutskapellchen, welches auf dem Gebiete der Blutäcker ſteht, hielten ſie eine kurze Andacht. Die Prozeſſionen wurden von Geiſtlichen geführt, auch war eine Anzahl Vorbeter und Vorſinger dabei tätig, deren Amt recht anſtrengend war. Ich vermute, daß der Pachtzins, der aus den Blutäckern erlöſt wurde, zum Unterhalte der bei der Prozeſſion beteiligten Geiſtlichen und Vor⸗ beter ſowie zur Abhaltung von Gottesdienſten verwendet wurde“


