Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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zwiſchen Rhein, Main und Neckar, zu deſſen Schutz Domitian (81 96) nach ſeinem Siege über die Chatten einen befeſtigten Grenzwall, den Limes oder Pfahlgraben, begann, der von ihm und ſeinen Nachfolgern Trajan(98117), Hadrian(117138) und Antoninus Pius(138 161) ausgebaut wurde. Von dem lateiniſchen palus entlehnt, bedeutet Pfahl hier als Sammelname, wie ſo oft im Deutſchen, die Pfähle, die Paliſaden, und Pfahl⸗ graben den Graben an oder hinter den Paliſaden. Der Limes erſtreckte ſich, zum Teil durch Paliſaden, Gräben, Türme und Kaſtelle geſchützt, etwa 540 km lang von der Mündung der Altmühl in die Donau(bei Kehlheim) bis nach Rheinbrohl(ſüdlich von Bonn); eines der wichtigſten Kaſtelle, die Saalburg im Taunus, iſt ver⸗ mutlich in der alten Geſtalt in unſeren Tagen wieder aufgebaut worden. Der Limes diente indeſſen weniger zur Verteidigung als zur Regelung des Grenzverkehrs, der ſich durch ſeine Tore bewegte. Mit Kaiſer Trajan gewann unſere Gegend ein anderes Ausſehen wie vorher. Plinius der Jüngere ſchreibt, Trajan habe die römiſchen Grenzen gegen die Germanen geſichert, und Eutrop ſagt, Trajan habe die Städte jenſeits des Rheines in Germanien, die bei dem Aufſtand des Saturninus 89 zerſtört worden waren, wiederhergeſtellt.

b) Das Römerkaſtell Dieburg.

Seit Hadrian und Trajan iſt unſere Gegend von den Römern beſetzt geweſen. Der Main war von Mainz bis Obernburg durch eine Kette von Kaſtellen gedeckt, ſo bei Stockſtadt, Seligen⸗ ſtadt und Obernburg. Dieſe Kaſtellenkette iſt gleichzeitig mit dem Ausbau des Pfahlgrabens entſtanden. Die Entfernung der am Maine, am Rheine und im Odenwalde gelegenen Kaſtelle von der hieſigen römiſchen Niederlaſſung, die, durch Funde und eine Weihinſchrift bezeugt, eine große Ausdehnung hatte (ſind doch auch im Weſten der Stadt römiſche Fundſtücke keine Seltenheit), war groß. Können wir da nicht von vornherein an⸗ nehmen, daß auch Dieburg, das an einer äußerſt wichtigen Mili⸗ tärſtraße lag, dauernden militäriſchen Schutz hatte? Dieſe Straße führte von Mainz über Groß⸗Gerau(ſehr wahrſcheinlich führte auch eine Straße von Hofheim über Okriftel nach Dieburg), bildete alſo den Schnittpunkt der großen Militärſtraßen Mainz⸗ Höchſt⸗Hainhaus(innere Limeslinies), Gernsheim⸗Stockſtadt und

² Breviarium hist. Rom. VIII. 2. ² Schumacher, Die Erforſchung d. röm. und vorröm. Straßennetzes in Weſtdeutſchl. S. 20.