Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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Die Bituriges endlich laſſen ſich in der hiſtoriſchen Über⸗ lieferung bis an den Hercyniſchen Wald verfolgen. Sie zerfallen in Cubi und Vivisci. Die Cubi bewohnten in hiſtoriſcher Zeit den im Norden und Oſten von der Loire begrenzten Landſtrich mit den Städten Avaricum(ſpäter Biturigae, heute Bourges), das Cäſar im Jahre 52 v. Chr. eroberte, und Noviodunum, öſtlich davon, heute Nouan bei Orleans, die Vivisci das Gebiet ſüdweſtlich von ihnen an der Garonne und Loire; ihre Hauptſtadt iſt Burdigala, heute Bordeaux. Aber auch im mittleren Maintal, in der Gegend von Obernburg, ſind in frührömiſcher Zeit Cubi mit großer Wahrſcheinlichkeit nachgewieſen, ebenſo heißt ein Ort im Helvetier⸗ lande in der Schweiz Viviscus, das heutige Vevey am Genferſee.

Zu den germaniſchen Einwanderern und den Reſten der keltiſchen Bevölkerung kamen neue Scharen von Fremdlingen über den Rhein herüber, verachtet von Römern und Germanen, wie Tacitus erzählt. Er ſagt:Ich möchte zu den germaniſchen Völkern diejenigen nicht zählen, die zwiſchen Rhein und Donau ſeßhaft das Dekumatenland bebauen. Galliſche Abenteurer, durch die Not kühn gemacht, nahmen dieſe herrenloſen Ländereien in Beſitz. Später zog man da den Grenzwall und ſchob die Poſten vor, und ſo ward dieſes Gebiet Vorland des Reiches und Teil einer Provinz. Dieſe Abenteurer dürften eher einige waghalſige Koloniſten als geſchloſſene Völkerteile geweſen ſein. ³

Außer den vorhin genannten Sueben, die wir ſchon im letzten Jahrhundert v. Chr. ſüdlich des Mains und am Neckar an⸗ treffen, ſind von germaniſchen Völkern, denen die Kelten weichen mußten, die Vangionen zu nennen. Sie kämpften unter Arioviſt gegen Cäſar bei Mühlhauſen 58 v. Chr. und werden von ihm neben den Markomannen, Tribokern, Harudern, Nemetern, Sedu⸗ ſiern und Sueben genannt. Wahrſcheinlich wohnten ſie zuerſt rechts des Rheines und links des Maines, mithin in der Provinz Starkenburg und den angrenzenden Gebieten, und zogen während des erſten Jahrhunderts über den Rhein. Worms iſt die Van⸗ gionenſtadt Borbetomagus(der Name iſt liguriſchen Urſprungs'), die Gegend um Worms nannte man noch im 9. Jahrhundert das Vangionenland. Doch auch öſtlich vom Rheine blieben Vangionen zurück, wie wir aus der Geographie des Ptolemäus beſtimmt wiſſen. Sie lebten mit den Römern ſtets in friedlichen Verhält⸗ niſſen, denn während dieſe im Zeitalter des Kaiſers Auguſtus am Unterrhein beſchäftigt waren und ihre Unternehmungen bisweilen

1 Fabricius, Neujahrsblätter d. Badiſch. Hiſtoriſchen Kommiſſion S. 18.

2 Germania c. 29.

s Schumacher, A. d. F. u. Gr. i. Südweſtd. S. 16.

B.(. J. c. 51.

s Cramer: Rheiniſche Ortsnamen aus vorrömiſcher und römiſcher Zeit, 1901.