Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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Um 500 v. Chr. war, wie wir durch Ausgrabungen beſtimmt wiſſen, ganz Weſt⸗ und Süddeutſchland bis zum Thüringer Wald von galliſchen Scharen beſetzt. Ungefähr um das Jahr 100 v. Chr. müſſen ſie germaniſchen Stämmen, die von Norden nach Süden vordrängen, weichen. So treffen wir um dieſe Zeit ſüd⸗ lich des Mains und am Neckar Sueben an, wie die civitas Sueborum Nicretum, die Gemeinde der Neckarſueben(im Gegen⸗ ſatz zu den Mainſueben) mit dem keltiſchen Vorort Lopodunum (im Mittelalter Lobdenburc, heute Ladenburg) beweiſt. Während aber die Hauptmaſſe der Kelten, wie überliefert iſt, nach der Schweiz abzog, laſſen ſich in den öſtlichen Grenzgebieten bis in das 1. Jahrhundert n. Chr. UÜberbleibſel der alten galliſchen Be⸗ völkerung nachweiſen, ſo die Toutoni bei Miltenberg, die San- toni(und Turones?, die Ptolemäus öſtlich vom Schwarzwald und Odenwald kennt) bei Walldürn¹, die Cubi bei Obernburg (die Vivisci bei Dieburg?), alle alſo in und am gebirgigen Oden⸗ wald, wohin ſie aus der fruchtbaren Ebene von Germanen und Römern gedrängt wurden.

Was zunächſt die Toutoni bei Miltenberg anbelangt, deren Name auf einer 5 m hohen Sandſteinſäule deutlich zu leſen iſt, ſo iſt niemand anders darunter zu verſtehen wie die Teutonen, die Genoſſen der Cimbern. Keltiſches eu wird in der römiſchen Zeit ſehr häufig zu ou, z. B. Teutates zu Toutatis, Leucetius zu Loucetius. Außerdem lag in der Nähe des Toutonenſteins in der Mitte eines gewaltigen Ringwalls, der den Gipfel des Greinbergs krönt, in römiſcher Zeit eine Kultſtätte des Merkur, der auf zwei Steinen Mercurius Cimbrianus heißt, ebenſo wie auf einem Steine bei Heidelberg. Dieſe Tatſachen beweiſen zur Genüge, daß einige Teile oder Reſte der Teutonen und Cimbern am Maine zurückgeblieben waren.(Wohnten doch auch Ab⸗ kömmlinge einſt am Rheine zurückgelaſſener Cimbern und Teu⸗ tonen zu Cäſars Zeit in Belgien.) Die Gegend von Miltenberg bot ihnen nach den Niederlagen bei Aquä Sextiä(102) und Ver⸗ cellä(101) eine ſichere Zuflucht vor der Rache der durch die Raubzüge ihrer Stammesgenoſſen entſetzlich heimgeſuchten Gallier.

Mit den Santoni, deren Name ſich in Saintonge, einer Provinz am Golf von Biscaya, erhalten hat, bringt man einen Gott Santius in Verbindung, der in der Kaiſerzeit in Miltenberg verehrt wurde, wie ein Mars Caturix, der ſonſt nur in Inſchriften aus Helvetien vorkommt, in Böckingen bei Heilbronn.

Walldürn heißt im 7. Jahrh. Turninu.

* 1878 gefunden auf dem Greinberg, einer Bergkuppe am linken Mainufer, ſüdlich der Stadt Miltenberg.

3 Fabricius, Neujahrsblätter d. Badiſchen Hiſtoriſchen Kommiſſion S. 20.

* Ebenda S. 19.